Pfarre St.Pantaleon -  Pfarre Erla
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„Reiter der Nivellierung“

Wie Pandemien die Welt veränderten 


Pandemien haben die menschliche Gesellschaft und Politik im Laufe der Geschichte stark beeinflusst. Von der Justinianischen Pest des sechsten Jahrhunderts bis zur spanischen Grippe des letzten Jahrhunderts haben Pandemien den Zusammenbruch von Imperien ausgelöst, herausragende Mächte und Institutionen geschwächt, soziale Umwälzungen verursacht und Kriege niedergeschlagen. Hier sehen wir einige der tödlichsten Pandemien und wie sie den Verlauf der Menschheitsgeschichte beeinflusst haben.

Justinianische Pest

Eine der tödlichsten Pandemien in der Geschichte brach im sechsten Jahrhundert in Ägypten aus und breitete sich schnell in Konstantinopel aus, der Hauptstadt des oströmischen (byzantinischen) Reiches. Die Pest wurde nach dem damaligen byzantinischen Kaiser Justinian benannt. Bei dem Ausbruch, der sich von Konstantinopel in den Westen und in den Osten ausbreitete, kamen bis zu 25 bis 100 Millionen Menschen ums Leben. Die Pest traf Konstantinopel hart, als das Byzantinische Reich unter Justinians Herrschaft auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Das Imperium hatte einen Großteil der historisch römischen Mittelmeerküste erobert, darunter Italien, Rom und Nordafrika. Die Pest würde in verschiedenen Wellen zurückkehren und schließlich 750 n. Chr. Verschwinden, nachdem das Reich erheblich geschwächt worden war. Als die byzantinische Armee nach der Ausbreitung der Krankheit keine neuen Soldaten rekrutieren und keine militärische Versorgung der Schlachtfelder sicherstellen konnte, wurden ihre Provinzen angegriffen. Die Pest hatte Konstantinopel auch wirtschaftlich schwer getroffen und seine Kriegsmaschine erheblich geschwächt. Als die Pest verschwand, hatte das Imperium Gebiete in Europa an die Franken und Ägypten und Syrien an die Araber verloren.

Schwarzer Tod

Der Schwarze Tod der im 14. Jahrhundert Europa und Asien traf, war die tödlichste Pandemie in der Geschichte der Menschheit. Nach verschiedenen Schätzungen hat sie 75 bis 200 Millionen Menschen getötet. In den frühen 1340er Jahren traf die Pest China, Indien, Syrien und Ägypten. Es kam 1347 nach Europa, wo bis zu 50% der Bevölkerung an der Krankheit starben. Der Ausbruch hatte auch dauerhafte wirtschaftliche und soziale Folgen. Nach den Worten des Stanford-Historikers Walter Scheidel in seinem Buch, „Nach dem Krieg sind alle gleich“ gehören Pandemien zu den „vier apokalyptischen Reiter der Nivellierung.“ Die anderen drei sind: Massenmobilisierungskriege, transformative Revolutionen und Staatsversagen. Scheidel schreibt, wie der Schwarze Tod zu verbesserten Löhnen für Leibeigene und Landarbeiter führte. Nach dem Tod von Millionen von Arbeitern wurde Land im Verhältnis zur Arbeit immer reichlicher. Landmieten und Zinssätze fielen. Landbesitzer mussten verlieren, und die Arbeiter konnten hoffen, zu gewinnen. In Teilen Europas verdreifachten sich die Löhne, als die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg. Und als sich die Wirtschaft besserte, setzte die Landbesitzerklasse die Behörden unter Druck, die steigenden Löhne zu kontrollieren. In England verabschiedete die Krone diesbezüglich Gesetze, deren Spannungen schließlich zum Bauernaufstand von 1381 führten. Die Pandemie führte auch zu einer groß angelegten Verfolgung von Juden in Europa. Juden, die für die Verbreitung der Krankheit verantwortlich gemacht wurden, wurden in vielen Teilen des Kontinents verfolgt und getötet.

Die bedeutendste Auswirkung des Schwarzen Todes war vielleicht die Schwächung der katholischen Kirche. Wie Frank M. Snowden, Professor in Yale und Autor von „Epidemics and Society: From Black Death to the Present“ feststellte, forderte der Ausbruch die Beziehung des Menschen zu Gott heraus. Die Frage der Menschen war, wie könnte man ein Ereignis dieser Art mit einem weisen und allwissenden Gott verbinden?" Die Kirche war so hilflos wie jede andere Institution, als sich die Pest wie ein Lauffeuer über den Kontinent ausbreitete, und das Vertrauen der Menschen in die Kirche und den Klerus erschütterte. Während die Kirche weiterhin eine mächtige Institution bleiben würde, würde sie niemals die Macht und den Einfluss wiedererlangen, die sie vor dem Ausbruch der Pest genossen hatte. Die protestantische Reformation im 16. Jahrhundert würde die Kirche weiter schwächen.

Spanische Grippe

Die spanische Grippe, die in der letzten Phase des Ersten Weltkriegs ausbrach, war die tödlichste Pandemie des letzten Jahrhunderts, bei der bis zu 50 Millionen Menschen ums Leben kamen. Die Grippe wurde zuerst in Europa registriert und verbreitete sich dann schnell in Amerika und Asien. Indien, eines der am stärksten von dieser Pandemie betroffenen Länder, verlor zwischen 17 und 18 Millionen Menschen, rund 6% seiner Bevölkerung. Eine der Hauptauswirkungen des Ausbruchs war das Ergebnis des Krieges. Obwohl die Grippe beide Seiten traf, waren die Deutschen und Österreicher so stark betroffen, dass der Ausbruch ihre Offensiven entgleiste. Der deutsche General Erich Ludendorff schrieb in seinen Memoiren dass die Grippe einer der Gründe für die Niederlage Deutschlands war. Deutschland startete im März 1918 seine Frühlingsoffensive an der Westfront. Bis Juni und Juli hatte die Krankheit die deutschen Einheiten geschwächt. „Unsere Armee hatte gelitten. Influenza war weit verbreitet. Es hat oft eine größere Schwäche hinterlassen, als die Ärzte erkannt haben“, schrieb er. Der Waffenstillstand wurde am 11. November 1918 unterzeichnet, der den Krieg beendete. Aber die Grippe würde noch viele Monate lang Teile der Welt verwüsten.

COVID-19

Es ist noch zu früh zu sagen, wie der COVID-19-Ausbruch, der bereits etwa 8 Millionen Menschen infiziert und etwa 5,00,000 Menschen getötet hat, die Welt verändern würde. Aber der Ausbruch hat dazu geführt, dass sowohl demokratische als auch diktatorische Länder den Bewegungen der Menschen drastische Beschränkungen auferlegten. Die westliche Welt, das Zentrum der Nachkriegsordnung, ist dem Angriff des Virus ausgesetzt. Die Arbeitslosenquote in den meisten Ländern der Welt ist auf das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr erreichte Niveau gestiegen. Regierungen auf der ganzen Welt, erhöhen ihre Ausgaben, um eine Wirtschaft anzukurbeln, die Anzeichen von Depressionen aufweist. Die sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind kaum abzuschätzen. Radikale Veränderungen, ob gut oder schlecht, entfalten sich bereits. Welche Veränderungen wird die Kirche erleben? Wird sie nach Wegen suchen, die gute Nachricht von Jesus Christus in der Welt gegenwärtig zu machen oder wird es nur darum gehen ihre Institutionen und Strukturen zu bewahren und zur gewohnten Normalität zurückzukehren? Die Wahl ist schwer, aber eine, die getroffen werden muss. Diese Krise sollte im biblischen Sinne als Zeichen der Zeit für eine selbstkritische und ehrliche Introspektion, zur Umkehr akzeptiert werden. wenn die Kirchen nicht ernsthaft versuchen, der Welt eine völlig andere Form des Christentums zu präsentieren, dann wird sie große Verluste erleiden. Wir können die gegenwärtige Krise entweder als eine kurze Pause sehen, die wir bald vergessen werden, oder wir können sie als Kairos akzeptieren - als eine Gelegenheit, in die Tiefe zu schauen und nach einer neuen Identität des Christentums in einer neuen Welt zu suchen, die radikal vor unseren Augen verändert.  

Dr. Isaac Padinjarekuttu 



Impuls für den 13. Sonntag im Jahreskreis

„Offen für Gott“

13. Sonntag

Der moderne Reisende hat sich an die leichte Verfügbarkeit von Platz für einen komfortablen Aufenthalt gewöhnt. In den Tagen von Elischa, dem Propheten, gab es keine Gasthäuser oder Fast-Food-Restaurants. Diejenigen, die über das Territorium ihrer eigenen Familie oder ihres Stammes reisten, waren von der Gastfreundschaft der Fremden abhängig, um zu überleben. Wie wir aus der heutigen ersten Lesung sehen, hat Elischa auf seinen Reisen Glück. Er trifft eine begüterte Frau, die ihn einlädt, seine Reise zu unterbrechen und in ihrem Haus zu essen. Die Gastfreundschaft muss gut gewesen sein, denn Elisa macht es sich zur Gewohnheit, dort auf seinen Reisen einen Aufenthalt einzulegen.Der Prophet will die Gastfreundschaft seiner Gastgeberin zurückzahlen und er bittet seinen Diener um eine Idee. Sein Diener sagt ihm, dass sie keinen Sohn hat, und der Mann ist alt. Der Diener ist klug. Er weiß, dass die Frau diesen heiligen Mann versorgt, weil sie hofft, dass sie den besonderen Segen eines Kindes erhalten wird. Ihre Hoffnung wird erfüllt. Die Frau erhält ihre Belohnung, einen Sohn. Nach den Worten Jesu im heutigen Evangelium wird jeder, der einen Propheten empfängt, weil er ein Prophet ist, die Belohnung eines Propheten erhalten, und wer einen heiligen Mann empfängt, weil er ein heiliger Mann ist, wird die Belohnung eines Heiligen haben.
 

In der Tradition der Stämme, die sich von Ort zu Ort bewegen, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu finden, ist Gastfreundschaft eine Frage des Lebens und des Todes. Ihr modernes Äquivalent könnten die Wanderarbeiter sein, die ihre Häuser und Familien verlassen, um Arbeitsplätze zu finden. Alle diese Leute brauchen die Gastfreundschaft anderer Menschen, um zu überleben. In der heiligen Tradition Israels wurde die Gastfreundschaft als eine der Hauptaufgaben eines fürsorglichen Volkes angesehen. Der Fremde, der Außenseiter, der Wanderer, jeder außerhalb seines Heimatlandes, wurde als Mensch angesehen, der besondere Sorgfalt braucht. Der Grund dafür war im Gesetz verankert: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch unterhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott“ (Lev 19: 33-34).

Jesus selbst hat diese Erfahrung gemacht. Sobald er geboren ist, muss er nach Ägypten für Sicherheit und Schutz gebracht werden. Als Erwachsener erfährt Jesus, dass er sich nicht auf die Akzeptanz seiner eigenen Landsleute verlassen kann, wenn er seinen Dienst als Prophet beginnt. Er wird ein Wanderprediger mit seiner Anhänger. Sie werden zu einem reisenden Volk, das von der Gastfreundschaft anderer abhängen muss.

Wenn Jesus in den Städten und Dörfern von Leuten empfangen wird, die ihn als einen heiligen Boten von Gott sehen, empfängt das Volk auch eine Belohnung: Die Armen hören die gute Nachricht, die Kranken sind geheilt, die Sünder erfahren die Vergebung Gottes. Das ist die Belohnung für die Gastfreundschaft, die sie Jesus und seinen Jüngern zeigen. Ihre Gastfreundschaft ist nicht nur die Frage des Bettes und des Frühstücks. Sie gewähren Gastfreundschaft, indem sie ihr Herz für den Besuch Gottes öffnen, der in der Person Jesu kommt. Die Gegenwart Jesu berührt sie. Sie sind wegen seines Besuches verändert. Wo Jesus und seine Jünger aber verschlossene Türen und verschlossene Herzen in ihren Städten vorfinden, empfängt das Volk dafür nur Staub von den Füßen.

Die ultimative Unterstützung, die Jesus sucht, ist unsere Offenheit für das Evangelium. Sein Versprechen gilt für alle, die heute sein Wort hören. Jesus will nicht, dass wir seinen Boten ein Opfer geben in der Hoffnung, dass sie weggehen und uns in Frieden lassen. Die Propheten unter uns zu unterstützen, bedeutet zuerst zu hören, was sie sagen. Aber es bedeutet auch, die praktische Verantwortung für die Unterstützung in ihrem Dienst zu übernehmen. Eines der Merkmale der Kirche ist die Großzügigkeit der Menschen gegenüber denen, die für sie Dienste und Ämter übernehmen, und für so viele pastorale Projekte. Jesus sagt, dass alles belohnt wird. Wenn es auch nur ein Becher kaltes Wasser ist, wird es seine Belohnung haben. Die Menschen werden durch ihre Großzügigkeit für die Sache des Evangeliums nichts verlieren, wie Jesus seinen Boten sagt: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Am Ende ist es Gott, der unser Gast ist.

Dr. Isaak Padinjarekuttu



Impuls für den 12. Sonntag im Jahreskreis

Impulsgedanken zum 12. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr

Eine Vielzahl an Grundgefühlen gehört zum Leben eines Menschen. Wir alle kenne sie: Freude, Trauer, Wut, Furcht und Angst. Furcht und Angst sind gerade in der derzeitigen Coronasituation für viele Menschen zum täglichen Begleiter geworden.

Am heutigen Sonntag bringt der Evangelist Matthäus die Aussendungsrede Jesu mit seiner Zusage und Aufforderung: „Fürchtet euch nicht!“

Eigentlich umspannt diese Botschaft sein ganzes Evangelium. Am Beginn kündet er den „Immanuel – den Gott mit uns“ an und lässt Josef durch den Engel Mut zusprechen, mit der Aussage: Fürchte dich nicht Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet ist vom Heiligen Geist.“

Am Ende seines Evangeliums spricht er uns durch Jesus zu: „Siehe ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Der Evangelist Matthäus verkündet uns einen Gott, der mitten unter uns ist und führt die Gottesoffenbarung des Ersten Testamentes fort, wo er sich Mose im brennenden Dornbusch als der „ICH BIN DA“ vorstellt. Nach der Übersetzung von Martin Buber „Ich bin da, wo du bist“.

Dieser Gott schenkt uns im heutigen Evangelium gleich dreimal die Zusage „Fürchte dich nicht!“ Eine Zusage, die wir Menschen in unserem Alltag anscheinend besonders oft brauchen.

„Fürchte dich nicht vor den Menschen!“

Du Mensch hab keine Angst vor deinem Mitmenschen. Ihr seid beide meine geliebten Geschöpfe. Ihr seid seit der Taufe Kinder des dreifaltigen Gottes.

„Fürchte dich nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“

Gott sei Dank, brauchen wir in unseren Wohnorten nicht um unser Leben fürchten. Trotzdem dürfen wir Jesus hören – er sagt dir und mir zu - Fürchte dich nicht, deine Beziehung zu mir und meine Beziehung zu dir ist einmalig und unauslöschbar. Kein Mensch kann sie verhindern. Kein Mensch kann sie dir nehmen. Kein Mensch kann sie ersetzen.

Und als drittes „Fürchtet euch nicht. Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.“ Diese Aussage Jesu lässt mich jedes Mal schmunzeln, weil ich mir denke: Naja bei einigen meiner Brüder hat er da nicht mehr besonders viel Arbeit. Aber klingt in diesen Worten nicht durch, wie liebevoll Gott um mich bescheid weiß, wie wichtig ich ihm bin. Anschließend folgt ja der Satz: „Ihr seid mehr wert als viele Spatzen, von denen keiner ohne den Willen meines Vaters zur Erde fällt.“

Welch überwältigende Zusage Gottes wird uns am heutigen Sonntag verkündet.

Kann ich es IHM wirklich glauben, dass ich IHM so unendlich wichtig bin - so wie ich bin?

Bin ich nicht im Alltag meines Lebens, egal wo ich stehe, immer wieder aufgerufen IHM meinen Vertrauensversuch entgegenzubringen, damit ER mich senden kann und damit ER durch mich Seine befreiende Botschaft zu den Menschen um mich, in meiner Familie, in meiner Gemeinschaft, auf meinem Arbeitsplatz verkünden kann? 

Sr. M. Margret - Rosina Grill

Schulleiterin

Schulen für wirtschaftliche und soziale Berufe

Schulverein Marienschwestern Erla 



Impuls für den 11. Sonntag im Jahreskreis


Gedanken zum 11. Sonntag im Jahreskreis: A 14. Juni 2020 (Mt 9,36 - 10,8)

Wie aktuell die Botschaft Jesu, das Evangelium ist, zeigt dieser Sonntag. Jesus sieht die vielen Menschen, die müde und erschöpft sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“, hören wir aus dem Munde Jesu.

Ja, das ist auch unsere Situation heute! Wir merken es auch in unserem Pfarrverband. So viel wäre zu tun. Die Menschen brauchen Hirten, die für sie da sind, die ihnen den Weg weisen, die ermutigen, heilen, von Schuld lossprechen. Dabei geht fast die ganze Energie in Organisation auf. Zählen, wie viele in die Kirche dürfen u.ä.

Alles umsonst!

Es wundert mich dann nicht, wenn ich fast frustriert höre:  „Es ist ja eh alles umsonst ...“ Wie oft sagen wir das. Wir haben uns nach Kräften engagiert, aber der erhoffte Erfolg bleibt aus. Wir haben viel investiert und es ist kein Fortschritt zu erkennen, eher geht alles zurück. Es lohnt sich nicht, denken wir: „Es ist ja doch alles umsonst ...“

Das lateinische Wort für dieses „umsonst“ heißt frustra, es ist heute in aller Munde: frustriert! Ich bin frustriert, weil meine Anstrengungen so wenig bringen; ich bin frustriert, weil ich nicht weiterkomme; ich bin frustriert, weil bei all meinem religiösen Bemühen, bei Gebet, Gottesdienst und Nächstenliebe so wenig herausspringt. Alles umsonst!

Gratis

Es gibt ein ganz anderes Umsonst: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“, so hören wir es diesen Sonntag im Evangelium aus dem Munde Jesu. Das ist ein Kernwort unseres Glaubens. Im lateinischen Text steht da nicht frustra, sondern gratis. Das klingt ganz anders. Unser deutsches „umsonst“ ist doppeldeutig.

Die lateinische Sprache hat dafür zwei Ausdrücke: frustra und gratis. Was ich euch geben möchte, sagt Jesus, das könnt ihr euch nicht erarbeiten, das bekommt ihr gratis. Das folgt nicht den Gesetzen des Rechnens, sondern des Schenkens. 

Ihr empfangt das Heil umsonst. Es ist von seinem Wesen her ganz und gar gratis. Deshalb könnt ihr es auch nur umsonst weitergeben.

Es gibt Erfahrungen, die kann man nicht machen oder mit Geld kaufen. Auch nicht mit dem größten Einsatz seiner Talente.

Den Glauben kann man nicht herstellen, er stellt sich ein.

Freude kann man nicht herstellen, sie stellt sich ein.

Liebe kann man nicht herstellen, sie stellt sich ein. Man kann sie sich letztlich nicht verdienen, sie ist gratis. Wer an verschmähter Liebe leidet, der weiß, dass Geliebt-Werden Gnade ist. Liebe ist unbezahlbar.

Ein Geschenk des Himmels

So ist es mit der Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart hat. Sie ist nicht zu verdienen, für kein Geld in der Welt. Sie ist unbezahlbar, gratis. Wer seinen Glauben berechnen will in Aufwand und Ertrag, der merkt bald: Das bringt nichts, das ist umsonst, und er ist frustriert. Wer ihn dagegen wie ein Geschenk des Himmels annimmt, der merkt bald: Das kann ich mir gar nicht verdienen und erkaufen, das ist unbezahlbar, gratis.

Gratis, darin steckt das lateinische gratia (= Dank). Dank ist nicht gleichzusetzen mit Erfolg oder Entgelt. Aber Dank ist auch nicht nichts. Dank ist die angemessene Antwort auf das empfangene Geschenk. Er gebührt zunächst nicht den Boten des Evangeliums. Sicher ist auch ihnen zu danken, wenn sie gratis weitergeben, was sie empfangen haben. Aber an erster Stelle und vor allem ist Christus zu danken, denn von ihm haben wir das Heil empfangen. 

Darum feiern wir die Eucharistie, die große Danksagung der Kirche.

             Ich wüsche Ihnen einen Sonntag, an dem sie entdecken, wie beschenkt sie sind! Umsonst! Gratis!

                             Ihr Pfarrer in R. Johann Zarl 



Impuls für Fronleichnam

Fronleichnamsfest 2020 – Lesejahr A – von Diakon Manuel 

„Der Himmel geht über allen auf. Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf. Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf.“ – dieses Lied, ein Kanon, wir haben es meiner Seminar-Zeit oft gesungen, fällt mir immer rund um den Fronleichnamsfesttag ein. Wir in der Pfarre St. Valentin, mussten nach Fronleichnam im Vorjahr mit Schrecken feststellen, mit unserem Trage-Himmel, auch „Baldachin“ genannt, stimmt etwas nicht. Er löst sich auf! Eine genauere Analyse der Benediktinerinnen von Steinerkirchen an der Traun ergab, dieser Tragehimmel ist wunderschön und einzigartig, aber er ist unrettbar zerstört! Klitzekleinen „Viecherln“ wurde er zu einem Festtagschmaus! Für uns stellte sich die Frage: Kaufen wir einen neuen „Himmel“? Wenn ja, wo? Von der Stange in einem Kirchendiscounter oder lassen wir einen neuen in einer Paramenten-Werkstätte anfertigen? Gibt es irgendwo einen Baldachin der nicht mehr verwendet wird, den wir ankaufen könnten? Soll er ein traditionelles Erscheinungsbild haben, dem Vorgänger ähnlich, oder lassen wir etwas Modernes kreieren? Braucht „unsere Zeit“ überhaupt noch solche Zeichen der barocken Frömmigkeit? Fragen über Fragen! Auch die Finanzierung ist eine Sache für sich. Was tun? Um es kurz zu machen: Wir haben einen neuen Himmel gekauft. Preis-Leistung stimmt! Mit diesen Gedanken zum „Himmel-Kauf“ möchte ich uns anregen, darüber nachzudenken, um was es, genauer um WEN es im Fronleichnamsfest geht. Äußerlichkeiten, die schön sind, keine Frage, können uns zum Wesentlichen hinführen, aber auch davon ablenken! Es braucht keinen „Prozessionshimmel“, keine Fahnen und anderen „Klimbim“. Die Mitte des Festes, das geistliche Lebensmittel, die spirituelle Lebensmitte von uns Christen, „finden“ wir hinter Glas, in einem kunstvoll gestalteten „Herzeige-Gerät“, Monstranz genannt. Um IHN, um Jesus im eucharistischen Brot, dreht sich das ganze Fest und alles Beiwerk! Ich glaube sogar, dass es uns guttun könnte, dass „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ heuer, „Corona sei Dank“, anders zu feiern! Wir machen heuer keine Prozession, dafür werden wir, wenn es das Wetter erlaubt, unter freiem Himmel im Pfarrhofgarten die „Feldmesse“ feiern! Unser neuer Baldachin-Himmel wird dieses Jahr über unserem Feld-Altar stehen, als Hinweis-Zeichen, UM WEN es geht! Um das „Brot vom Himmel“ unter freiem Himmel, unter einem neuen Himmel! Angelus Silesius, ein Universalgelehrter wurde berühmt für seinen kurzen Satz: „Der Himmel ist in dir!“. Darüber gilt es nachzudenken, wenn wir heuer ANDERS Fronleichnam feiern! Hl. Juliana von Lüttich, bitte für uns!

 

Für Erwachsene: Kennen Sie die Hl. Juliana von Lüttich? „Googeln“ sie diese Dame einmal und sie werden erkennen, warum es ohne diese Frau Fronleichnam nicht geben würde! Beten wir wieder bewusster beim Vater unser die Worte „unser tägliches Brot gib uns heute“. Beim Mittagstisch wäre ein Tischgespräch über die Bedeutung der Eucharistie schön. Was „gibt“ mir die Hl. Kommunion? Welche Erinnerungen habe ich an meine Erst-Kommunion, die Vorbereitung darauf?

Für unsere Kinder: Zu Fronleichnam erinnern wir uns an das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern. Schlag deine Kinderbibel auf, lies nach! Wenn du gerne zeichnest, könntest du das letzte Abendmahl, Jesus und seine 12 Apostel malen. Oder gestalte deine „Fantasie-Monstranz“. Sei kreativ! 



Impuls für den Dreifaltigkeitssonntag

Dreifaltigkeitsonntag                                                      

 Ich habe heilige Namen in Leichtsinn ausgesprochen.“

So war und ist es in Bekenntnissen bei einer Beichte zu hören.

Als Priester frage ich mich:

Was heißt es nun „Heilige Namen im Leichtsinn aussprechen?“

-Es gibt wohl Worte im Bekenntnis, bei Älteren und bei Jüngeren,

die wiederholen sich.

Manche Formulierungen werden dann schon selber wie Rituale:

Kann es nicht sein, dass diese ritualisierten Formulierungen beitragen,

dass der Inhalt, das was man eigentlich sagen will

mehr und mehr zurücktritt?

Manches ist ja im Bekenntnis oft nur angedeutet:

Es scheint der Priester soll erahnen und zwischen den Zeilen herauslesen, was eigentlich gemeint ist.

Das was in einem Gespräch auch sonst nicht förderlich ist,

ist auch in einem Beichtgespräch nicht förderlich:

Im Sinne, Mann/Frau sagt etwas: Aber doch nicht ganz:

„Heilige Namen in Leichtsinn ausgesprochen“:

-Ich höre heraus, dass damit wohl das 2. Gebot angesprochen ist:

Du sollst den Namen JHWHs, deines Gottes nicht missbrauchen.

-Ist ja Gottes Name uns „heilig“.

Er soll nicht „leicht sinnig“ ausgesprochen werden:

In Leichtsinn aussprechen könnte heißen:

„Hör der Himmelvater schimpft“, sagte man früher zu Kindern wenn's

geblitzt und gedonnert hat.

Heute begegnet einem in der Rede von Gott eher das Gegenteil:

 Von Gott wird manchmal geredet: Lieblich, nett und harmlos:

Gott erscheint eher als ein Hampelmann, wo alles erlaubt ist, der über alles und jedes locker hinwegsieht.

„In Leichtsinn aussprechen“:

Geht es nicht oft schnell über die Lippen, als Ausruf:

 „Um Gott's Willen!“, oder in „Gott's Noam!“.

Wie oft in seinem/ihrem Leben nimmt wohl jemand, der verkündigt

„Gott“ in den Mund? Wie oft, ist da in seinem/ihrem Leben das eigene Herz nicht dabei – oder anders formuliert:

erahnt er/sie doch immer wieder einmal, was, wen er/sie da ausspricht?

                       Heute: Hochfest der heiligsten Dreifaltigkeit.

-Wäre es vielleicht richtiger, ganz zu schweigen?

Ich will es mit einem Wort des Augustinus sagen:

„Von Gott kann man nicht reden, doch wehe dem, der von ihm schweigt“

Ja, es ist ein großes Geheimnis, das wir an diesem Hochfest feiern:

Ein Geheimnis, aber nicht im Sinne von „Geheimniskrämerei“, sondern im Sinne von Geheimnis, das auch ein geliebter Mensch auch nach vielen Jahren des gemeinsamen Weges bleibt.

Der andere, die andere übertrifft bei weitem das eigene Verstehen und das Bild, das man über ihn/sie hat.

-In diesem Sinne ist Gott: „Geheimnis.“

Wir feiern heute nicht ein „höheres Wesen“, an das wir glauben, sondern einen Gott, der uns liebend zugewandt ist,

der in seinem Sohn Jesus Christus seine Liebe gezeigt hat und zeigt:

Wer an ihn glaubt, der kann Ihn aufnehmen und im Leben, im Herzen, eine  Wohnstätte geben: Durch den Geist der ihn uns wohnt. 

(Röm 8,4) -

„In ihm bewegen wir und sind wir“ (Apg 17,28)

In diesem Sinne, darf ich diese heilige Namen dankbar, staunend, anbetend immer wieder, nicht leicht sinnig, aber sehr wohl leichten Sinnes aussprechen: 

Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Mod. Mag. Herbert Reisinger 



Impuls für den Pfingstsonntag


Pfingsten 2020

Wenn ich Sie fragen würde, was Sie unter ‚Geist‘ verstehen, wäre es sicher nicht ganz einfach, diese Frage zu beantworten. Leichter fällt uns schon eine Antwort, wenn wir von der Aktivität des Geistes sprechen. Wir können, zum Beispiel, leicht über Geistlosigkeit reden. Jeder weiß, was ein geistloser Witz ist. Das ist ein Witz, über den man nicht lachen kann. Jeder weiß, was eine geistlose Rede ist. Das ist eine Rede, bei der man einschläft. Jeder weiß, wer ein geistloser Mensch ist. Das ist jemand, der das Denken den Pferden überlässt, der blind seinen Trieben und Instinkten folgt. Kurz: Mit geistlos bezeichnen wir alle Situationen, in denen es langweilig, mechanisch, kalt, starr und stur zugeht. Wo aber der Geist auftaucht, da wird's lebendig, farbig, bunt, da horcht man auf und hört zu; da ist man gebannt und gespannt; da erkennt und erfährt man Neues. Wo Geist ist, da ist Leben!

Übertragen wir den gleichen Denkansatz auf unser Pfingstfest, so wird deutlich, warum das Kommen des Heiligen Geistes bitter notwendig war - und ist. Denn was wäre ohne den Heiligen Geist?:

Ohne den Heiligen Geist wäre der christliche Glaube nichts anderes als irgendeine religiöse Ideologie.

Ohne den Heiligen Geist wäre das Gebet nichts anderes als leere und seelenlose Wortemacherei.

Ohne den Heiligen Geist wäre die theologische Wissenschaft nichts anderes als ehrfurchtsloses Gerede.

Ohne den Heiligen Geist wäre die Kirche nichts anderes als eine verknöcherte Institution, ein religiöses Machtgebilde, dessen Funktion niemand mehr zu erkennen vermag.

Ohne den Heiligen Geist wären Papst, Bischöfe und Priester nichts anderes als routinierte religiöse Funktionäre, Manager in sonderbaren Gewändern.

Ohne den Heiligen Geist wäre aus dem gesamten Christentum buchstäblich „die Luft raus.“ "Geist und – Luft“ sind in der Bibel das gleiche Wort - und das will viel heißen!

Am Pfingsten ist der Heilige Geist auf die Apostel, auf die junge Kirche in Feuerzungen herabgekommen. Er hat die Kirche nie mehr verlassen, sondern wirkt bis auf den heutigen Tag sein Werk in ihr. Das kann man beweisen. Denn zweifellos gibt es in der Kirche Christen, die anstecken und begeistern. Zweifellos gibt es in der Kirche Gebete, die zünden und in Bewegung setzen. Zweifellos gibt es in der Kirche Theologen, die Altes überzeugend vermitteln und Neues erkennen. Zweifellos gibt es in der Kirche Geistliche, die etwas bewirken und bewegen.

Aber eben nicht überall. Wer wollte leugnen, dass es in der Kirche auch Geistlosigkeit gibt! Es gibt erstarrten Glauben, zum Gerede veräußerlichtes Gebet, verknöcherte Institutionen, ehrfurchtslose theologische Diskussion, geistlose Geistliche! Weil es das gibt, ist es durchaus notwendig, um das Kommen des Heiligen Geistes zu bitten, der in Kirche und Welt sein Werk wirkt auch im Schatten vom Corona. So lasst uns heute beten: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen und du wirst das Angesicht der Erde und der Kirche erneuern.“   


von Dr. Isaac Padinjarekuttu

 


Impuls für den 7. Sonntag der Osterzeit

Gott des Lebens und der Liebe

Vater bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast,

damit sie eins sind wie wir! Joh 17,11  

Das heutige Evangelium ist eine Passage aus den Abschiedsreden Jesu. Wer sich auf lange Zeit oder gar für immer verabschiedet, sagt Wesentliches, möchte den Seinen Werte hinterlassen, ihnen Worte mitgeben, die ihnen helfen zu einem erfüllten Leben. So auch Jesus. Er hat mit seinem Leben ein Beispiel uneingeschränkter Liebe zu ALLEN Menschen gegeben, nahm Freud und Leid auf sich. Jetzt will er das, was er bisher vorgelebt hat, noch einmal ins Wort bringen, sagen, was ihm wichtig ist.  

·        Da ist vor allem sein tragender Grund: Seine Kraftquelle ist ohne Zweifel seine Beziehung zum Vater im Himmel. An ihn hat er sich immer wieder mit Bitte und Dank und Lobpreis gewendet, er verweilte ganze Nächte im Gebet. Seine Abschiedsrede ist ein inniges Gespräch mit dem Vater. Er erinnert seine Jünger und Jüngerinnen daran, dass der Vater ihn gesandt hat, ja, mehr noch, dass er ganz und gar eins ist mit dem Vater, mehr noch, dass er jetzt in die Herrlichkeit zurückgeht, die er vorher schon beim Vater hatte. Wer mich sieht, sieht den Vater; ich und der Vater sind eins, so hatte er ja oft betont.  

·        Und dann die Verbundenheit mit seinen Jüngern und Jüngerinnen. Sie will er ganz in das Ein-Sein mit sich und dem Vater hineinnehmen. Mehrmals wiederholt er die Worte: du in mir- ich in dir – sie in uns. Wir Menschen sind also total hineingenommen in Gott! Mir nimmt das fast den Atem! Umarmt von Gott sind wir, von Gott, der universale Liebe ist! Ist das nicht eine wunderbare Verheißung? Gleichzeitig erinnert Jesus auch an seinen Herzenswunsch: Seid alle eins! Anders ausgedrückt: Liebet einander wie ich euch geliebt habe! Das einzige Gebot, das Jesus uns wirklich gegeben hat.  

Der letzte Sonntag in der Osterzeit lässt uns aber auch nach vorne schauen, auf das Kommen des Hl. Geistes. Die Lesung aus der Apostelgeschichte lädt uns ein, uns wie die Jünger und Jüngerinnen darauf vorzubereiten, Wir sind in diesen 9 Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten eingeladen, unser Herz zu öffnen für den Beistand, den Jesus uns versprochen hat, in dem er als der auferstandene Christus, bis zum Ende der Welt bei uns bleiben wird. Die Jünger und Jüngerinnen tun sich in der Bitte um Gottes lebensspendenden Geist mit Maria, der Mutter Jesu, zu einer betenden Gemeinschaft zusammen.  

Ich denke, gerade jetzt, nach den Entbehrungen der Corona-Zeit, spüren auch wir intensiver als je zuvor, wie wichtig Zusammensein, Beziehung und Begegnung sind. Selbst die modernsten Medien mit Sehen und Hören konnten die persönliche Begegnung mit Familienmitgliedern, Freunden ---, die körperliche Nähe mit Händedruck und Umarmung nicht ersetzen.  

Ich versuche zusammenzufassen, was für Jesus wichtig ist: Beziehung, Begegnung. Seine intensive Beziehung zum Vater ist seine Kraftquelle. Gleichzeitig lebt er eine starke Beziehung zu Mitmensch und Natur, aber auch zu sich selbst, indem er unbeirrbar an seiner Identität als Verkünder der Liebe Gottes festhält. Es ihm gleichzutun ist seine herzliche Einladung an uns! Und er stattet uns dafür immer neu mit den Gaben seines Leben spendenden Geistes aus.  



Sr. Huberta Rohrmoser,
Marienschwester in Klein Erla   





Bild: Gertrud Deppe

https://menschkunst.de/suche/tagger.php?kunstbereich_id=44



Impuls für Christi Himmelfahrt


Christi Himmelfahrt: 21.5.2020

Wir haben in Österreich das Glück, den heutigen Donnerstag als Feiertag begehen zu dürfen. Das ist eine gute Sache. Aber Feiertage sind dazu da, um zu feiern! Meine Frage: wissen die Leute überhaupt, was wir heute feiern?

Eigentlich geht es um einen Abschied. Christus geht endgültig fort! 40 Tage nach seiner Auferstehung, kehrt der Herr in den Himmels heim. Jesus wird vor den Blicken der Jünger verhüllt und entschwindet. Ja, man spürt richtig, wie verlassen und einsam die Apostel plötzlich dastehen.

Ein ähnliches Verlassensein habe ich als kleiner Bub einmal gespürt, wie mich meine Eltern im Seminar in Seitenstetten besucht haben. Damals durften wir ja nur 4 mal im Jahr nach Hause fahren.

Bis heute ist mir in Erinnerung geblieben, wie ich nach einem Besuch mit meinen Eltern zum Zug gegangen bin. Wie der Zug abgefahren ist, habe ich ihm lange nachgeschaut, bis er schließlich am Horizont verschwunden war. Dann bin ich armselig und verlassen alleine am Bahnhof dagestanden und Tränen sind geflossen.

Ich spüre solche Verlassenheit als Pfarrer sehr häufig bei den Menschen beim Begräbnis, wenn der Sarg in das Grab gesenkt wird oder das Auto mit dem Leichnam wegfährt.

Ich spüre solche Verlassenheitsgefühle heute auch oft in der Kirche. Bei manchen Ereignissen in der Kirche, wo die Verantwortlichen oft so hilflos agieren, bei der fortschreitenden Säkularisierung, beim Priestermangel. Vieles ließe sich hier aufzählen.

Ich weiß nicht, ob Sie mir zustimmen, aber ich denke, wir Christen stehen heute auch ein bißchen erstarrt da: erstarrt in Frustration, Selbstmitleid und Sentimentalität! Wie damals die Jünger: verlassen und perplex, ein Häuflein Elend. Damals musste sogar ein Engel die erstarrten Jünger ermahnen: „Was steht ihr da und starrt zum Himmel!“

Was machen wir gegen das Erstarren? Wenn wir auf die Jünger damals schauen, könnten wir etwas lernen. Die machen nämlich etwas sehr wichtiges: Gerade da, wo sie sich von Jesus verlassen fühlen, gehen sie einfach in den Abendmahlssaal zurück und beginnen zu beten. Mir fällt auf, dass die nicht viel lamentieren und nicht viel debattieren. Nein, die beten einfach!

Die Jünger damals beten. Sie beten mit Maria, mit den anderen Frauen, beten gemeinsam und intensiv. Wo Jesus abwesend scheint, da muss um seine Gegenwart gebetet werden! Denn er hat ja vor seinem Abschied versprochen: „Fürchtet euch nicht: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“

„Ich lasse euch nicht als Waisen verlassen zurück! Ich werde einen Beistand senden, der euch in die ganze Wahrheit einfuhren wird.“

Neun Tage betet damals diese Urkirche, es ist die erste Novene, das erste neuntägige Gebet. Sie können das leicht nachrechnen: Von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten sind es 9 Tage.

Und was bewirkt dieses Gebet? Etwas Großartiges! Am Ende wird sich der Himmel öffnen: und zwar im Sturm und feuriger Begeisterung! Das ist Pfingsten. Das Fest des offenen Himmels, das Fest der Kraft des Geistes Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn wir auf Pfingsten schauen, verstehen, wir, warum Christus in den Himmel aufgefahren ist: Jesus ist in die Ewigkeit des Himmels heimgekehrt, um anders bei uns zu sein: Durch seinen Geist. Durch die Kraft dieses Geistes bleibt Christus in seiner Kirche. Schluss mit der innerkirchlichen Lamentiererei, Schluss mit den Frustrationen: Christus hat uns nicht wirklich verlassen, er wird seine Kirche nie verlassen!

Als kleiner Bub damals stand ich ziemlich verlassen am Bahnhof. Was habe ich gemacht? Ich ging in das Seminar zurück und tat das, was mich meine Mutter immer gelehrt hat, was wir jedesmal taten, wenn ich von zu Hause fortgefahren bin. Die ganze Familie, auch am Sonntag, wenn das Gasthaus voll war und die Leute warten mussten. Da gingen wir zur Marienstatue im Schlafzimmer der Eltern und haben dort gemeinsam gebetet. Und das war immer sehr beruhigend und tröstend.

Und genau das habe ich damals auch gemacht. Ich ging ins Seminar zurück in die Kapelle und ich habe dort vor der Marienstatue gebetet. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Aber irgendwie war dort die Verlassenheit vorbei. Ich glaube schon, dass mir das meine Eltern beigebracht haben und ich es dort gespürt habe: Wo gebetet wird, wird Gott spürbar und gegenwärtig. Wo gebetet wird, wird alles gut! Wer betet, ist nie allein!

Vielleicht sollten wir uns darauf auch in dieser Coronazeit wieder erinnern. Es hilft mindestens so gut wie das beste Desinfektionsmittel. I

Ich wünsche ihnen einen zuversichtlichen Christi Himmelfahrtstag!

Ihr Johann Zarl

Pfarrer i R.  



Impuls für den 6. Sonntag der Osterzeit


 

Impulsgedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A von Diakon Manuel (Joh 14,15-21) 

Wäre nicht „Corona“, so würden an den kommenden Samstagen im Mai viele Hochzeiten stattfinden! In den letzten Wochen, habe ich mit vielen enttäuschten Brautpaaren telefoniert, versucht so manche Braut-Träne zu trocknen. Beim Sonntagsevangelium ist mir das Wort „Beistand“ sofort ins Auge und ins Herz gesprungen! Junge Brautpaare suchen sich Trauzeugen aus. Der Begriff „Beistand“ verschwindet oft zugunsten der Bezeichnung „Trauzeuge“. Mir gefällt das Wort „Beistand“! Und in meinen Hochzeitspredigten, spreche ich immer auch die Beistände des Brautpaares an. Sie haben eine hohe Aufgabe, sie stehen den Brautleuten bei, konkret im Moment der Spendung des Ehesakramentes, sie fungieren als unterschreibende Zeugen, aber damit ist ihr Auftrag noch nicht erfüllt! Meiner Überzeugung nach, haben Trauzeugen, Beistände die Aufgabe, „ihr“ Ehepaar auch in (die) Zukunft zu begleiten, mit Interesse, Zuwendung und Gebet! Jesus spricht in seinen „Abschiedsreden“ (vor seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt) von einem ganz besonderen Beistand, den Gott uns senden wird, wenn er nicht mehr leibhaft unter uns weilt! Mit diesem Beistand spielt Jesus auf den Heiligen Geist an. Der Hl. Geist, eine geheimnisvolle „Person“ innerhalb der Dreieinigkeit! Für mich ist der Geist Gottes, der Geist Jesu, der Verbinder, das „Verbindungsmittel“, kurz, er der Geist oder sie die „Geistin“ (hebräisch „ruach“) ist für mich LIEBE in der reinsten Form! Diese Liebe Gottes verbindet uns, mindestens auf zwei Weisen (- es mag noch mehrere geben!): Sie ermöglicht GEMEINSCHAFT und IST HEILSAM!


Zum Weiterdenken:

Wer ist mir Beistand? Wem stehe ich bei? Meldet euch wieder einmal bei euren „Beiständen“, den Trauzeugen, Tauf- und Firmpaten! In welchen Situationen meines Lebens habe ich den Beistand Gottes schon erlebt? Wer hat „ihn“ mir erfahrbar gemacht? 

 

Für unsere Kinder:

Schaut euch eure Tauffotos wieder einmal an. Vielleicht gibt es sogar einen Film von eurer Taufe? Zeichnet eurem Taufpaten, eurer Taufpatin eine Zeichnung von euch zwei. Sucht die Hochzeitsfotos eurer Eltern! Fragt sie, wer ihre Trauzeugen waren und warum sie sich gerade diese Personen ausgesucht haben?

Diakon Manuel Sattelberger

Impuls für den 5. Sonntag der Osterzeit

Muttertag


Sonntag in der Osterzeit  - Muttertag            

1.  Lesung     Apg 6,1-7
2. Lesung  1 Petr 2,4-9
Evangelium    Joh 14,1-12

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft.“ 1 Petr 2,9

„Herr Pfarrer kommen Sie bitte nach vorne!“ 
Selbst bei nicht kirchlichen Veranstaltungen werden Priestern besondere Ehrenplätze zugewiesen. - Zur Zeit ist es ja n icht so -weil es keine Veranstaltung gibt -,  aber wir dürfen annehmen, das nach den Beschränkungen auch hier die alte Ordnung wieder einkehrt. 
Am 8. Mai wurde des 75. Jahrestages des Endes des 2. Weltkrieges gedacht. Erinnern wir uns daher auch an Priester und Ordensleute, 
denen damals die letzten Plätze zugewiesen wurden: 
Viele waren von Ihnen auch in Konzentrationslagern und fanden dort den gewaltsamen Tod.  
Ehrenplätze für Priester, sind nicht an sich verwerflich, 
denn ob nun der Priester in der ersten Reihe sitzt oder in der letzten Reihe:
Das Wort Jesu, gesprochen im Abendmahlsaal bleibt der Maßstab und was daraus folgt wird dann sichtbar im konkreten Leben. (-oder leider auch nicht!):  


„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, 
wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15)

Der Erste soll der Priester im Dienst am Nächsten sein, 
nach dem Beispiel Jesu. Dass das im Laufe der Kirchengeschichte oft nicht gelungen ist und bis heute nicht gelingt -oder sich sogar in das schreckliche Gegenteil verkehrt - war und ist vielen zurecht zum Stein des Anstoßes geworden.
Leider ist das Wort vom „auserwählten Geschlecht“ und der 
„königlichen Priesterschaft“ aber durch die Jahrhunderte sehr exklusiv verstanden worden: Allein auf die Priester im Gotteshaus.
Diese herausfordernde Zeit, in der wir leben, haben gläubige Menschen, 
trotz aller Einschränkungen, aber genau dagegen ein starkes Lebenszeichen gegeben:  Zum einen im konkreten Einsatz  für andere in der Nachbarschaft, bei denen die der Hilfe bedürfen (z.B. Einkaufen, Besorgungen machen usw.).  Zum andern haben Frauen und Männer, junge und ältere Menschen neu ihre priesterliche Würde entdeckt im gemeinsamen Gebet zu Hause: 
Viele haben gestreamte Gottesdienste mitgefeiert oder
Zuhause an Hand von Gebetsvorlagen Hauskirche gefeiert.
Da haben Kinder Zuhause den Vorbeterdienst gemacht und sagen:
„Ostern war noch nie so schön wie heuer.“
Ja, jede/r Getaufte gehört zum „auserwählen Geschlecht“, 
zur „königlichen Priesterschaft.“ - „Priester“:  eine schöne Deutung dieses Wortes ist auch:

„Durchlässig sein für Gottes Liebe“, in diesem Sinn wollen 
wir heute am Muttertag allen Müttern „Danke“ sagen 
für ihr wahrhaft priesterliches Wirken! 

Danke, dass durch euch Gottes Liebe zu uns erahnbar, 
greifbar und sichtbar wird, weil ihr durchlässig seid für Gottes Liebe.

Muttertag:  Ein Tag, das auch einmal wieder ganz ausdrücklich 
auch zu sagen und einander durch sichtbare Zeichen zu zeigen.
Dieses große „Danke“ umfasst freilich die lebenden und auch schon die verstorbenen Mütter!
Und sollte aus welchen Gründen auch immer,
die Beziehung zur eigenen Mutter belastet sein, wäre heute ein sehr guter Tag sich zu versöhnen, 
         oder zumindest den Weg der Versöhnung zu beginnen, denn


 einen wichtigen Ehrenplatz in unseren Herzen und im Leben gehört auf jeden Fall der eigenen Mutter.

  

Moderator Mag. Herbert Reisinger




Maiandacht "Dahoam feiern"                                                                                 

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