Pfarre St.Pantaleon -  Pfarre Erla
        ein herzliches " Grüß Gott " auf unserer Homepage                                            

Impuls für den Weltmissionssonntag

Weltmissionssonntag

18. Oktober 2020

 

In diesem Jahrzehnt gab es mehrere Initiativen, die darauf abzielten, die Missionstätigkeit in der Kirche wiederzubeleben. Es begann mit der Einsetzung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung im Jahr 2010, gefolgt von der Bischofssynode zur „Neuevangelisierung zur Weitergabe des christlichen Glaubens“ im Jahr 2012, der Bischofssynode für die Region Pan-Amazonas im Jahr 2019, der Erklärung des Monats Oktober 2019 zum Missionsmonat und der jüngsten vatikanischen Anweisung „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche,” um einige zu nennen. Der Grund liegt nahe. Nach Ansicht von Papst Franziskus ist die „Missionstätigkeit paradigmatisch für alle Aktivitäten der Kirche,“ und daher müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Aufmerksamkeit aller Getauften auf diese grundlegende Aufgabe zu lenken. Was war das Ergebnis all dieser Initiativen? Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten, da keine offiziellen Statistiken vorliegen. Mit Sicherheit kann man jedoch sagen, dass die Kirche in diesem Jahrzehnt an vielen Fronten in der Defensive geraten ist: bedroht von einer aggressiven säkularen und post-säkularen Gesellschaft, dem islamischen Terrorismus, rechts- und linksgerichteten Ideologien, dem zerstörerischen Potenzial von Wissenschaft und Technologie ohne Regulierung und Kontrolle und die vielen Eigentore, die die Kirche geschossen hat. Und zum Abschluss des Jahrzehnts gibt es die Corona-Pandemie, die die Grundlagen der Weltordnung, wie wir sie heute kennen, erschüttert hat. Und doch, wenn Mission – verstanden als die Fortsetzung der Mission Christi zur Errichtung des Gottesreiches für die Kirche paradigmatisch ist, müssen wir darüber sprechen, Mittel und Wege finden, um kreativ daran teilzunehmen und sie dort zu platzieren, wo sie hingehört, nämlich, in der Mitte der christlichen Existenz. Wenn wir einen weiteren Weltmissionssonntag feiern, denken wir wieder über die Mission der Kirche und unseren Beitrag zur Errichtung des Gottesreiches in Gemeinschaft und Solidarität mit allen Christen und allen Männern und Frauen guten Willens nach.

             

Bild: dbk.de                                                                                                                                      

Das kirchliche Leben weltweit steht in dieser Zeit unter dem Zeichen von der Corona-Pandemie. Die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und  politischen Auswirkungen dieser weltweiten Krise sind kaum abschätzbar. Auch die leeren Kirchen in der Karwoche werden lange in Erinnerung bleiben. Aber sind nicht die leeren Kirchen auch ein Symbol der Leere, die viele Menschen mit ihrem Glauben in der Kirche fühlen, wie der Theologe Thomas Halik es ausgedrückt hat? Wir können unmöglich etwas geben, das wir nicht haben. Wenn Evangelisierung die Weitergabe unseres Glaubens ist, dann müssen wir uns nicht nur mit der Weltmission beschäftigen, sondern auch mit uns selbst. Wie die österreichischen Bischöfe in ihrer Weltmissionssonntagsbotschaft in aller Ehrlichkeit sagen, hat der christliche Glaube in den vergangenen Jahrzehnten bei uns in Europa an Kraft verloren. Papst Franziskus hat das immer wieder betont, dass wir eine narzisstische Kirche geworden sind, die zu sehr auf sich selbst bezogen ist, die nur um sich selbst kreist. Dann ist die Gefahr tatsächlich groß, dass wir die eigentliche Situation aus dem Blick verlieren. Eine solche Kirche wird belanglos oder zu einem Ärgernis für die, die vom Glauben und der Kirche fern sind. Aus dieser Belanglosigkeit herauszukommen, ist eine große Herausforderung. Ob wir dafür etwas von der Corona Pandemie lernen können? Wie können wir unsere geistliche Substanz und das Gebet wiederentdecken? Papst Franziskus spricht sogar von der „missionarischen Kraft des Fürbittgebets“. So können wir auch missionarisch sein.

Eine missionarische Kirche wird auch ihren Blick für die Nöte und Anliegen unserer Nächsten öffnen. Diese Solidarität mit Menschen in Not unter uns und überall in der Welt ist die beste missionarische Geste, die wir in diesem Moment zeigen können. Denn das Kerngebot des Christentums ist das Liebesgebot. Gerade in diesen Zeiten der Krise zeigen sich viele Menschen in Werken der Nächstenliebe als wahre Christen. Menschen gingen in ihrem Einsatz für die Nächsten bis an ihre Grenzen. Eine unglaubliche Welle der Solidarität machte sich breit. Diese Solidarität mit allen Leidenden weltweit ist Mission par excellence. Wenn heute im Auftrag des Papstes in allen Gottesdiensten auf allen Kontinenten und in allen Ländern für die Weltkirche gesammelt wird, wird diese Solidarität eine Realität. Wenn wir unser solidarisches Handeln beibehalten, dann machen wir Gottes Reich sichtbar vor der Welt. Und das ist Mission!

Dr. Isaac Padinjarekuttu 



Impuls für den 28. Sonntag im Jahreskreis

Sonntagsgedanken zum 28. Sonntag im Jahreskreis A
Matthäus 22,1-14

Zu einer Hochzeit eingeladen zu sein ist etwas Schönes – und wenn es eine königliche Hochzeit ist – wer würde sich da nicht freuen?
Im heutigen Evangelium geschieht aber das Unglaubliche: Die Eingeladenen sagen ab – sie haben keine Lust oder keine Zeit!
Der König hat viel Geduld – er schickt seine Diener ein zweites Mal aus – doch wieder ohne Erfolg! Keiner kommt! Einige, der Eingeladenen, vergreifen sich sogar, an den Dienern, misshandeln sie oder bringen sie um. Der König wird zornig. Das ist eine Provokation und die Reaktion ist heftig. Doch das Fest soll stattfinden.
Er schickt ein letztes Mal Diener aus. Diesmal werden alle eingeladen – egal ob reich oder arm, angesehen oder verspottet. Da kommen sie in Scharen und der Festsaal füllt sich mit Gästen. Das sagt uns: 

Gott will, dass wir seine Gäste sind.
Er wirbt mit allen Mitteln um uns.

Sind wir bereit?

Wir können die Einladung annehmen oder sie ablehnen. Gott hält an seiner Einladung fest. Er schickt uns immer wieder Botschaften, Fingerzeige und Impulse.
Bin ich offen und ansprechbar? Höre ich sein Rufen? Ist Gott die Mitte meines Lebens – oder sind es die täglichen Aufgaben, der Freizeitstress, der Computer? Wie ernst nehme ich seine Einladung? Jede und jeder von uns hat die Wahl – ich kann mich für oder gegen Gott entscheiden.
Die Menschen, die im Gleichnis auf die letzte Einladung des Königs kommen, sind ein bunter Haufen – unterschiedliche Leute von der Straße der Stadt. Vielleicht waren unter ihnen Obdachlose, Prostituierte, Zöllner – Menschen um die man gewöhnlich einen Bogen macht. Es ist befreiend, dass man seine eigene Lebensgeschichte mit allen Scheitern vor Gott bringen kann, ohne verurteilt zu werden. Gottes Barmherzigkeit ist groß!
Was aber ist mit dem hochzeitlichen Gewand gemeint, das einer der Gäste nicht anhat und dann hinausgeworfen wird?
Ich glaube, man kann die Einladung zum Hochzeitsmahl nicht annehmen und zugleich so bleiben wie man vorher war. Ist das nicht ein Ruf zur Umkehr?
Es geht nicht um ein passendes Outfit. Es geht darum, ob ich meinen Glauben lebe, in Taten der Liebe, im Ertragen des anderen, im Verzeihen und in der Bereitschaft zur Versöhnung.
Ich darf kommen wie ich bin – aber so soll ich nicht bleiben – ich soll mich verändern lassen, mich von Gott so machen lassen, wie er mich haben möchte. Mich von seiner Liebe umgestalten lassen. Das Hochzeitsgewand ist letztendlich die Liebe.

Am Ende unseres Lebens werden wir einmal nach der Liebe gefragt. Mit dem Maß, mit dem wir messen und zuteilen, wird auch uns zugeteilt werden. Allein die Liebe zählt!

 Monika Gundendorfer 



Impuls für den 27. Sonntag im Jahreskreis

27. Sonntag im Jahreskreis 2020 Impulsgedanken zu Mt 21,33-42.44.43

 „Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“ (Mt 21, 41)


Ich gehöre der Generation an, in deren Kinder und Jugendzeit das Ende des

 

2. Weltkrieg etwa 40 Jahre zurücklag. Ich kann mich noch gut erinnern, das Erwachsene in meiner Gegenwart Kraftausdrücke gebraucht haben,
die ich heute nicht einmal niederschreiben möchte.
Manche dieser Kraftausdrücke haben sich sehr abfällig über Juden geäußert.
Erst als ich dann im Erwachsenwerden über die versuchte Vernichtung der Juden im Weltkrieg erfuhr, verstand ich die Zusammenhänge:
Die Sprache der Erwachsenen war geprägt die durch die Sprache der Zeit,
die sie selber in der Kinder und Jugendzeit erlernt haben, - auch geprägt in der Abfälligkeit über das jüdische Volk.
Es gehört zu den dunklen Kapiteln in unserer Kirchengeschichte, das im Laufe der Jahrhunderte Unheil über Juden immer wieder kam (-oder zumindest geduldet) - auch durch die Kirche.
Sehr traurig ist es ebenso, dass viele meinten und immer noch behaupten, sie können sich dabei auch auf die Heilige Schrift berufen, wenn sie einzelne Verse der Hl. Schrift aus dem Zusammenhang reißen.
Nein, Gott hat keine Freude an der Vernichtung seines Volkes,
„das er zuerst erwählt hat“ (vgl. Röm 11,2!).
Jesus Christus war von seiner Abstammung her Jude, daher meine Anregung:
Nehmen sie die Heilige Schrift zur Hand und nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und blättern Sie darin, vor allem im Alten Testament, den das war für Jesus zu seiner Zeit die ganze Hl. Schrift. Bleiben Sie bei dem was sie anspricht und beten Sie. Bedenken sie das Wort des Kirchenlehrers Hieronymus:

„Die Hl. Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“
–       Und Sie, kennen Sie Christus? 

 Pfr. Herbert Reisinger



Impuls für den 26. Sonntag im Jahreskreis

Diakon Manuel Sattelberger

Sonntagsgedanken zum 26. Sonntag im Jahreskreis A

Im berühmten Märchen von Schneewittchen und den 7 Zwergen heißt es: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Ich bin kein Märchenonkel und erzähle euch auch keine G’schichteln, trotzdem möchte ich euch einen Spiegel anbieten mit dem neuen Reim: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind wir in Gottes Hand?“
Papst Franziskus hat in seinem Schreiben Evangelii Gaudium, auf Deutsch ‚Die Freude am Evangelium’, den Predigern ins Stammbuch geschrieben, dass jede gute Predigt eine Idee, ein Gefühl und ein Bild enthalten muss!
Um also ein guter Prediger zu sein, habe ich heute das Bild des Spiegels gewählt! Spiegel begleiten nicht nur eitle oder auf ihr gutes Aussehen bedachte Menschen, sondern jeden einzelnen von uns! Der Spiegel zeigt uns, wie wir zumindest äußerlich gerade ausschauen/dreinschauen…

Mir scheint, dass uns Jesus im heutigen Evangelium auch so einen Spiegel vorhalten möchte mit der Frage:
In welcher Person spiegelst du dich, wo spiegelt sich dein Leben wider?

Wir hören heute aus dem Mund des Gottessohnes
ein Gleichnis, ein Bildwort, Jesus vergleicht! Er erzählt uns von einem Mann zu biblischer Zeit der zwei Söhne hat! An beide Söhne ergeht dieselbe Bitte um Mitarbeit in seinem Weinberg!

 

Liebe Schwestern und Brüder, haben Sie jetzt bitte immer das Bild des Spiegels im Hintergrund meiner Gedanken! Da gibt es den Sohn Nummer Eins, der sagt: Ja, Ja Papa, mach ich schon - tut aber nichts dergleichen. Ein Faulsack, ein Blender, der seinem Papa nicht folgt! Sohn Nummer Zwei, sagt: Nein, kannst du selber machen! Mit der Zeit reut es ihn und sein vorschnelles ‚Nein‘, wird zu einem ‚Ja’ und geht doch, sagen wir mal mit Startschwierigkeiten, „butteln“ in den Weinberg!

Und jetzt die gipfelnde Frage Jesu: Wer von den beiden Söhnen hat den Willen des Vaters erfüllt? Klare Antwort: Sohn Nummer Zwei! In welchem Sohn findest du dich heute wieder? Im Ersten, dem Ja-Ja-Sager oder im Zweiten der anfänglich ‚sicher nicht’ sagt und dann doch der Bitte seines Vaters nachkommt!

Wenn du heute in den Spiegel schaust den dir Jesus jetzt vor dein Gesicht hält, WER bist du? Ich für mich, finde mich, ein bisserl in beiden Söhnen wieder. Mir fallen viele Situationen ein, wo ich dem ersten Sohn gleiche, aber auch dem zweiten Sohn!

Was möchte uns Gott heute, jetzt und hier mit diesem Evangelium das uns Matthäus überliefert hat, sagen?

-        Der Ruf Gottes in seinem Weinberg zu arbeiten ergeht an jeden von uns – ohne Ausnahme!

-        Und auch wenn heute nur von ‚Söhnen’ die Rede ist so meint Jesus mit 100 % Sicherheit auch die ‚Töchter’ Gottes. Wir alle sind aufgerufen mit unserem Leben auf diese Frage Gottes zu antworten.

-        Versteht mich nicht falsch! Im ‚Weinberg Gottes’ zu arbeiten heißt nicht in erster Linie einen geistlichen Beruf anzustreben, oder in einem Kloster zu leben! Mit dem ‚Weinberg Gottes’ ist unser ganz konkretes Leben gemeint – so wie es ist – ohne Beschönigung, ohne sich oder anderen etwas vorzumachen! Bekommt Gott von dir (heute) ein ‚Ja, ja!’ oder ein ‚Nein, sicher nicht!’.

Trostvoll am heutigen Evangelium ist, dass Gott auch ein ‚Nein’ akzeptiert, aber jeder auch die Freiheit besitzt sein Handeln, dein Leben, seinen Weg, egal was auch immer, dass jeder die Möglichkeit hat aus seinem anfänglichen (mündlichen) ‚Nein’ ein tatkräftiges ‚Ja!’ werden zu lassen!

 Ist es nicht auch mit unseren Lebensschicksalen so? Gott oder ‚das Schicksal’, wie viele sagen, mutet uns Menschen oft viel zu! Oft zu viel! Die Frage besteht darin: Sage ich ‚Ja!’ oder ‚Nein!’ zu meinen Lebensschicksalen? Wir haben die Wahl a) daran zu zerbrechen oder b) es auch wenn es unheimlich schwer und schmerzhaft ist anzunehmen, im Vertrauen, dass Gott (s)einen Plan hat!

Liebe Schwestern und Brüder! Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind wir in Gottes Hand? Die Antwort die uns das heutige Evangelium gibt ist folgende: Wir sind Gottes Söhne und Töchter, berufen ihm im Weinberg unseres Lebens zu dienen! Gott zwingt uns nicht! Denn wer liebt verabscheut den Zwang! Wirkliche Liebe, ein ehrliches ‚JA!’ gibt es nur in Freiheit!  



Impuls für den 24. Sonntag im Jahreskreis


Vergebung ist gelebte und erlebte Liebe!

Meinhard Feichtner

 

Mt 18,21-35: Dieses Evangelium gehört nicht zu meinen Lieblingstexten aus der Bibel, ehrlich gesagt, es ärgert mich sogar. Am liebsten möchte ich zu Jesus sagen: Meinst du nicht, dass du ziemlich übertreibst? So abscheulich handelt doch kein Mensch! Das ist pure Provokation!

Was Jesus aber verlässlich mit Petrus und dem Gleichnis erreicht – auch bei mir – ist  die Überzeugung, dass ihm Verzeihen, Vergeben ganz wichtig ist. Es ist das einzige Thema, zu dem er wirklich harte Worte findet. Siebzigmal siebenmal, das ist maßlos, ohne Einschränkung. Die frohe Botschaft: so verzeiht Gott! Mir und dir und jedem Menschen!

Die Herausforderung: auch wir sollen so verzeihen – und das fällt uns sicher mehr als schwer! Aber, und das ist mein Lieblingswort und meine feste Überzeugung: bei Gott zählt in all unserem Tun der Versuch, nicht das Gelingen!

Kein  Mensch kommt durch das Leben, ohne andere zu verletzen und ohne selbst verletzt zu werden. Deshalb ist es so wichtig, einander zu verzeihen und sich dadurch auch nach schweren Verletzungen immer wieder zu öffnen für das Leben ---

Unversöhntheit ist wie ein Staudamm, der den Fluss der Liebe und des Lebens zum Stillstand bringt. Sie blockiert die Beziehung zu Gott, zu mir selbst und zum Mitmenschen.

Meistens denken wir beim Wort Verzeihen gleich an die Mitmenschen. Tatsächlich gilt es auch mir selbst zu verzeihen – und das ist gar nicht leichter!

Warum habe ich das getan? Das hätte ich einfach nicht sagen dürfen! Warum habe ich dies und jenes Gute nicht getan, bin einem Menschen nicht genügend beigestanden, usw. Solche Vorwürfe können uns endlos verfolgen! Oft genug kommt heraus: ich sollte  nicht so sein, wie ich bin, verurteile mich als ganze Person. Und dabei handelt es sich – von außen betrachtet – oft echt um Banalitäten ----

Was unsere Probleme mit den Mitmenschen betrifft, so müssen wir genau hinschauen. In manchen Situationen, wenn z.B. Verletzungen andauern, ist zunächst Handlungsbedarf, muss Selbstschutz vorausgehen, bevor Verzeihen überhaupt ein Thema sein kann.

Wesentlich ist, mir bewusst zu machen: von meiner Unversöhntheit ist nicht in erster Linie der/die andere betroffen, die Wunde klafft in meinem Herzen, mein eigenes Herz bedarf der Heilung, deshalb tue ich, wenn ich verzeihe, zunächst einmal vor allem mir selbst etwas Gutes!

Verzeihen ist nie etwas Punktuelles, etwas was ich angehe und erledige, Verzeihen ist immer ein Prozess:

Am Anfang steht die Absicht zu verzeihen. Also bewusst zu sagen: ich will diesem Menschen (das kann eben auch ich selber sein) verzeihen. Schon bis dahin kann es ein weiter Weg sein. Trotzdem steht die Absicht zu vergeben, noch in unserer Freiheit; den Groll zu beseitigen dagegen nicht.

So wird ein zweiter Schritt notwendig: ich schaue meinen Schmerz an, gebe meinen Groll, meine Wut zu: Ich habe vergeben, doch der Groll ist noch da. Ich spüre ihn weiterhin. Gefühle kann man nicht ändern, man verdrängt sie sonst und dann treiben sie im Unbewussten ihr Unwesen. Ebenso wenig werden Groll, Zorn, Bitterkeit, Selbstmitleid --- durch die ständige Beschäftigung mit ihnen geheilt. Das ist wie Bohren in einer Wunde!

Hilfreich sind beim Umgang mit diesen schmerzhaften Gefühlen jeweils 3 Schritte:

·      Wahrnehmen: In meine Tiefe spüren und die schmerzhaften Gefühle bewusst wahrnehmen. Sie wenn möglich auch benennen.

·      Zulassen: Gefühle sind einfach eine Realität, ich suche sie mir nicht aus. eine Realität akzeptiere ich am besten so wie sie ist: Liebe Gefühle, ich mag euch nicht unbedingt, aber ihr gehört halt momentan einfach zu mir. Ihr dürft also da sein. Mein inneres Haus ist groß, bewegt euch da ganz frei ---

·      Loslassen und in die Gegenwart zurückkehren: Aber ich brauche mich jetzt gedanklich mit euch nicht zu beschäftigen (das verstärkt den Groll nur). Am besten übergebe ich meine Wunde, meinen Schmerz an dieser Stelle Jesus zur Heilung – und kehre gleichzeitig in die Gegenwart zurück. Was ist jetzt dran: Arbeit, Gespräch, Freizeitbeschäftigung --- Dem widme ich mich ganz!

Es genügt nicht, diese Schritte des Verzeihens  einmal zu setzen, ich muss sie immer wieder tun. Je schwerwiegender die Sache ist, desto öfter. Dazu ist ganz viel Geduld mit mir selber notwendig! Aber nur so kann der Groll Stück für Stück abgetragen, erlöst werden, immer weniger belasten, sich schließlich ganz auflösen. Dann haben wir von Herzen vergeben, sind wir aus der Gefangenschaft unserer Abneigung und unserer Revanchegefühle befreit.

 

Zu Gott darf ich so kommen, wie ich bin, vor ihm darf ich da sein auch mit meiner Not, schwer verzeihen zu können, aber ich soll das Thema Verzeihen nicht ausblenden. Allerdings kann und darf es lange dauern, bis ich so weit bin.

Und die frohe Botschaft: Menschen mit einem versöhnten Herzen haben eine ungeheure Kraft von innen heraus, sie bewirken eine Atmosphäre des Friedens. Verzeihen lehrt uns die Kunst immer wieder neu anzufangen! 





Impuls für den 23. Sonntag im Jahreskreis

Heilige und Sünder

23. Sonntag im Jahreskreis

Vor einigen Wochen haben wir das Fest unseres Diözesanpatrons Hippolyt von Rom gefeiert. Er war der erste „Gegenpapst“ in der Kirchengeschichte. Trotzdem verehrt die Kirche ihn als einen Heiligen. Der Grund dafür ist, dass er sich später mit dem amtierenden Papst versöhnte und beide als Märtyrer starben. Der Grund der Streitigkeit war die Bußpraxis in der römischen Gemeinde. In manchen Gemeinden gab es eine strenge Bußpraxis, aber Rom war in dieser Hinsicht von Anfang an etwas nachsichtig. Hippolyt war dem konservativen Flügel zuzuordnen. Er hatte Anhänger, und sie machten ihn zu ihrem Führer und zum Gegenpapst.

Papst Franziskus wird nie müde zu sagen, dass die Kirche keine Gemeinschaft der Vollkommenen ist, dass sie voller Menschen ist, die erkennen, dass sie Sünder sind. Aber in der Geschichte der Kirche gab es immer wieder Bewegungen, die die Kirche zu einer Gesellschaft der „Heiligen“ und „Vollkommenen“ machen wollten und andere als Sünder ausschlossen. Wir haben also Bewegungen wie Montanismus, Novatianismus, Priscillianismus, Donatismus und viele andere, die von engagierten Christen angeführt wurden. Sie haben eine rigoristische Position in Bezug auf die christliche Moral eingenommen und wollten keine Schwächung ihrer Standards. Solche Gruppen entstanden auch in den späteren Jahrhunderten des Christentums, und die Tendenz gibt es auch heute. Sie behaupteten, dass sie dem Ideal der frühchristlichen Gemeinschaft folgten, die als exklusive Gemeinschaft lebte und auf das zweite Kommen Christi wartete. Der heilige Augustinus gab das beste theologische Argument gegen diejenigen, die die Kirche als die Gemeinschaft der Vollkommenen betrachteten und die Sünder ausschlossen. Er sagte, dass das wahre Zeichen der Kirche nicht Heiligkeit, sondern Liebe sei und dass diejenigen, die die Kirche in Sünder und Heilige aufteilten, nicht ihre Heiligkeit zeigten, sondern ihre Lieblosigkeit. Er hat ja selbst die Erfahrung gemacht, was es heißt, ein Sünder zu sein.
Im heutigen Evangelium ist von einer der frühesten christlichen Gemeinden die Rede, in der es Menschen gibt, die Sünden begangen haben. Aber wie geht die Gemeinde damit um? Mit Nachsicht und Geduld. Der Ton ist positiv, unvoreingenommen und sachlich. Der Betreffende wird nicht mit dem Wort ‚Sünder‘ bezeichnet, sondern als ‚Bruder‘. Zuerst ist ein Gespräch unter vier Augen zu führen, dann sollen ein paar Zeugen hinzugezogen werden und dann die ganze Gemeinde. Und auch wenn dieser Versuch fehlschlägt, soll man den Betreffenden in Ruhe lassen. Von Verurteilung und Verdammung ist keine Rede. Die Freiheit des Einzelnen, der sich nicht mehr als dazugehörig versteht, ist zu respektieren. 

Die Kirche braucht, wie jede Institution, Ordnung, Disziplin und Regeln, um das Leben ihrer Mitglieder zu regeln. Aber die Kirche ist mehr als eine soziale Organisation. Es geht nicht nur um gutes Verhalten, sondern um die Realität der Sünde / des Bösen selbst. Wir müssen zugeben, dass die Einstellung zur Sünde in der Kirche immer ein Problem war. Einst drangsalierten Seelsorger die Katholiken mit Sündenpredigten und stürzten sie in Höllenangst, besonders, wenn es um Sexuelles ging. Die kirchlich erzeugten Neurosen haben ganze Generationen geplagt und viele aus der Glaubensgemeinschaft vertrieben. Andererseits kann aber niemand leugnen, dass es die Sünde analog zu das Böse gibt. Die Realität des Bösen sollte nicht leicht genommen werden. Es ist ein Teil von uns. Der heilige Paulus sagt im Römerbrief: „Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der es bewirkt, sondern die in mir wohnende Sünde“ (Röm 7,18b-21). Aber wir leben in einer Zeit, in der dieses Bewusstsein praktisch verschwunden ist. Oder wir unterdrücken es, und wenn es in unserem Leben ausbricht, versuchen wir, die Schuld woanders zu sehen, und dabei trennen wir uns von anderen. Es gibt Arroganz und sogar Verachtung gegenüber anderen in diesem Verhalten. Und damit sind wir bereits Teil des Netzwerks des Bösen in der Welt.  

Dieses Verhalten hat einen Namen: „Unschuldswahn“. Es braucht schon gehörige Willensstärke, zu dem zu stehen, was ich selbst Unrechtes getan und verbrochen, worin ich selbst versagt habe, nicht ein anderer. Die Seelsorge hat sich auch dem Weichspülen angepasst, indem sie es möglichst vermeidet, individuelle, subjektive Sünde noch als solche zu benennen, um vielleicht nicht auch die Letzten zu verprellen. Man meint es der Gesellschaft schuldig zu sein, nur das Gefällige, Allerweltliche, Naheliegende zu sagen, und dem Kulturbetrieb nichts Irritierendes zuzumuten. Daher ist es wichtig, über Sünde, Umkehr, Versöhnung, Bekehrung usw. als Teil einer sinnvollen Seelsorge zu reden, aber das bedeutet nicht, dass wir die Menschen einschüchtern, was nur negative Auswirkungen haben wird. Die Matthäusgemeinde hat uns etwas zu sagen.  

Dr. Isaac Padinjarekuttu 



Impuls für den 22. Sonntag im Jahreskreis


Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, 2020

Lesung: Jer 20,7-9

2. Lesung: Röm 12,1-2

Ev: Mt 16,21-27

Diese Woche beginnt wieder der Monat September.
Hat auch etwas von September hat etwas von Jahreswechsel an sich: Vieles beginnt wieder ganz Neu:
Das Leben im Kindergarten, in der Schule oder für andere der Einstieg auch in das Berufsleben.
Auch im kirchlichen Bereich startet wieder vieles neu.
Neu ist für alle, dass wir uns auch mit Ampeln beschäftigen (müssen).

Sie wissen schon: Die Corona-Ampel.  

Und je nach Einstellung insgesamt zur derzeitigen Krise, wird wohl vom einzelnen mehr oder weniger sorgsam auf diese Ampel geschaut werden: Die Ampel, die uns dann sagt, was dann erlaubt ist oder auch verboten in den verschiedenen Regionen.
Es wird wohl wieder viel Information notwendig sein, damit alle verstehen was die Ampel-Farben bedeuten. 
Ampeln in der Kirche hat es freilich schon lange vor der Corona-Ampel und den Verkehrsampeln gegeben.
Die Lichter vor Gnadenbildern, besonderen Orten, auch vor dem Tabernakel, wo die Eucharistie aufbewahrt wird,
werden auch Ampeln genannt.
Es kommt vor, dass heute diese Ampeln in ihrer Bedeutung in der Kirche nicht mehr verstanden werden,
sodass dass Besucher (außerhalb des Gottesdienstes) der Kirche das Licht der Ampel ausblasen,
weil sie meinen, da hat jemand vergessen, das Licht auszumachen.
Die Ampeln erinnern vor Tabernakel bleibende Anwesenheit Christi, seine Gegenwart. Das rote Licht, heißt dann nicht „Stopp!“, sondern „Komm!“
Die Lichter erinnern an die Erzählung Mose vor brennenden Dornbusch (Ex 3,1-5): Hier ist „heiliger Boden“
Lichter erinnern: „Komm und anbete! Komm in meine Gegenwart! -In Gottes Gegenwart.“

„Komm in meine Gegenwart“. Diese Wort lässt sich über die ganze Hl. Schrift stellen wie ein Überschrift.  

-Auch über die heutigen Schriftstellen. Noch im engeren Sinn geht es heute darin um Nachfolge: Nachfolge Jesu.

- Dazu habe ich einen Ohrwurm schon seit einigen Tagen im Kopf. - Auch auf die Gefahr hin, dass der Ohrwurm jetzt auf sie übergeht, werde ich jetzt doch nennen, weil er mir einen wichtigen Zugang zu den heutigen Schriftstellen eröffnet.  

Udo Jürgens (1934-2014) hat viele Songs verfasst, die heute als Schlager gelten.
In seinem Song ich wünsche dir „Liebe ohne Leiden, eine Hand die deine hält“ (1984), trifft Udo Jürgens wie in anderen seiner Liedern, etwas Besonderes, was viele berührt:
Ist das auch ihre eigene Erfahrung?: Liebe ohne Leiden?
Ich kann Udo Jürgens nicht mehr fragen, was heißt für dich: „Liebe?“ und was „Leiden?“
Ja, es sind große Fragen: Und was antworten sie selber?
Ist ihnen auch schon einmal in unserer Sprache der Zusammenhang von „Liebe und Leiden“ aufgefallen?:
Wir sagen doch: „Ich mag dich gut leiden“, womit wir doch ausdrücken, dass wir jemanden sehr lieben.                                                                                                                    
„Ewiges Licht. ‚Ampel‘ aus der Pfarrkirche St. Paul Passau“  

-Da ist jetzt auch der Bogen zur 1. Lesung: Der Prophet Jeremia leidet an Gott:  

Jeremia wird zum Bild für die Wechselbäder in der Gottesbeziehung: Er liebt Gott und leidet an ihm. „Liebe ohne Leiden“? - nicht bei Jeremia.                                                     


-Petrus antwortet auf die Leidensankündigung Jesu: „Das möge Gott verhüten“: Letztlich wünscht Petrus Jesus auch eine„Liebe ohne Leiden“.
Die Antwort Jesu auf Petrus darauf ist sehr heftig und rüttelt immer wieder neu auf:
Er nennt ihn „Satan“: -Nicht weil Jesus das Leiden sucht oder darin verliebt wäre, sondern weil er mit seinem Leben dafür einsteht,
dass die Liebe stärker ist als alles, selbst der Tod.
Also nicht Liebe ohne Leiden, sondern: Sondern eine Liebe, die sich bewährt und vollendet wird,
da sie durch das Leiden hindurchgeht.
Somit eine Richtung, eine Lebenshaltung vorgegeben für alle in der Nachfolge Jesu.

 „Der Vater unseres Herrn Jesus Christus, erleuchte die Augen unseres Herzens,

damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.“ (Ruf vor dem Evangelium zum 22.Sonntag)  

 Ja, Herr, öffne die Augen des Herzens, dass wir die Ampeln im unserem Leben sehen, die auf „Grün“ sind,
Ampeln die einladen zu kommen: Ampeln im Gottesdienst, im Gebet, in den Ereignissen des Alltags, in den Begegnungen,
denn alles kann zum „heiligen Boden“ (Ex 3,1-5) werden, wo Gott uns begegnet. Amen

Mod. Mag. Herbert Reisinger 

 


Impuls für den 21. Sonntag im Jahreskreis


Diakon Manuel Sattelberger

Sonntagsgedanken zum 21. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A   

EV: Mt 16,13-20 – Ich werde dir die Schlüssel zum Himmelreich geben!

Ein Schlüssel ermöglicht Zugang! Ein Schlüssel öffnet Türen und Tore! Den Schlüssel zu verlieren, fürchtet jeder! Einen Schlüssel von jemandem Anderen zu haben, bedeutet (großes) Vertrauen zu genießen!

Im Evangelium hören wir auch von einer ganz besonderen „Schlüssel-Person“! Jesus übergibt dem ersten seiner Apostel, dem Petrus, die Schlüssel zum Himmel! Welch‘ großes Geschenk, welch‘ großes Vertrauen, dass Jesus da in die Person des Simon-Petrus, einfacher Fischer vom See Genezareth, legt!

Wie sollen wir die Bibelstellen verstehen? Was möchten Sie uns sagen?

Das Evangelium kreist um die große Frage, die seit der Geburt Jesu, jeden Menschen, sei er gläubig oder nicht, beschäftigt: WER ist Jesus WIRKLICH?

Wir dürfen ruhig heraushören, dass sich auch die Menschen zu biblischer Zeit und wohl auch die ersten Jünger und Apostel, ja dass sich das Volk nicht im Klaren war, WER dieser Zimmermannssohn im Innersten, WER er wirklich ist!

Ist er der Sohn Gottes? „Er ist doch der Sohn des Zimmermanns Josef?“, heißt es an anderer Stelle. Ist Jesus ein weiterer Prophet, selbstverständlich geachtet, oder ist der doch der sehnsüchtig erwartete Messias, sprich der Retter der Welt? Fragen über Fragen!

Fragen, die auch uns heute nicht kalt lassen dürfen! Denn an dieser Frage scheiden sich, nicht nur sprichwörtlich, die Geister!

Auf die Rückfrage Jesu, für WEN sie ihn halten, antworten sie klar und deutlich: „Jesus, du BIST der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Ich glaube, dass genau darin der Schlüssel zum Verständnis dieser Bibelstelle liegt, denn jeder Mensch, von den Aposteln, den ersten Jüngern bis zu jeden einzelnen von uns heute, hier in der Kirche, oder auch nicht, entscheidet sich alles, WER Jesus für uns ganz persönlich ist!

Ich kann diese Frage nicht für euch beantworten! Jeder muss, jeder darf sie in seinem Herzen, aus freien Stücken, Stellung beziehen!

Für mich ganz persönlich, ist die große Petrus-Statue beim Kreisverkehr vor St. Peter, eine immerwährende Anfrage: IST JESUS (für dich Manuel) DIE SCHLÜSSEL-PERSON GOTTES? Ist ER es, der mir den Himmel, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes er-schließt? Öffnet mir die Beziehung zu Jesus den Himmel?   

„Der einzige Schlüssel“
Die Liebe ist der einzige Schlüssel, der zu den Türen des Paradieses passt.
Es liegt ein Stückchen Paradies in jedem Lächeln, in jedem guten Wort,
in der Zuneigung, die du verschenkst. Es liegt ein Stückchen Paradies in jedem Herzen, das für einen Unglücklichen zum rettenden Hafen wird, in jedem Zuhause mit Brot und Wein und mit menschlicher Wärme. Es liegt ein Stückchen Paradies in jeder Oase, wo Liebe blüht und Menschen Mensch geworden sind, füreinander Brüder und Schwestern. Gott hat seine Liebe in deine Hände gelegt wie einen Schlüssel zum Paradies. Amen.

Gebet: Phil Bosmans - (1922 - 2012), belgischer Ordenspriester   





Impuls für den 20. Sonntag im Jahreskreis


Das heutige Sonntagsevangelium ist eine echte Herausforderung. So kennen wir doch Jesus nicht! Sein Wort: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen“ tut sogar uns heute als Zuhörer weh.

Nicht einmal die Bitte der Jünger: „Herr, befrei sie von ihrer Sorge, denn sie schreit hinter uns her“, nützt etwas. Warum wohl?

Jesus möchte an Hand der kanaanäischen Frau den Glauben seiner Jünger hinterfragen. Und damit sind wir bei uns selber, bei dem, was dieses Evangelium dir und mir sagen möchte. Dazu zur Verdeutlichung:

Der Schriftsteller Kurt Martin Magiera hat in seinen Erzählungen eine Figur geschaffen, - er nennt sie Herr Zett - dessen überraschenden Einfälle mich beim Lesen faszinieren haben.

Einmal hat er etwas ganz Verrücktes getan: Herr ZETT brachte eines Tages einen Koffer voll kleiner Hämmer mit in die Kirche, wo er sie kostenlos anstatt der üblichen Kerzen verteilte. „Zum Abklopfen der Fassade!“ klärte er die Neugierigen auf.

Eine Provokation, aber eine heilsame. Herr ZETT stellt mich vor die Frage: Ist mein Glaube echt? Hält der Inhalt meines Glaubensgebäudes, was die Fassade verspricht? Sind die Worte, die ich im Gottesdienst höre oder spreche, durch meine Überzeugungen und Taten gedeckt? Er gibt keine Anweisungen, was ich im Einzelnen tun soll. Er sagt nur: Prüfe einmal, ob du das, was du sagst, auch wirklich meinst. Ob hinter den großen Worten wie Gemeinschaft, Dienst, Nächstenliebe oder Teilen auch eine Lebenspraxis steht:

Die Fassade der kanaanäischen Frau hat den Schlägen Jesu standgehalten und Jesus ist überwältigt von ihrem großen Glauben.

Das heutige Evangelium lädt uns im Blick auf die heidnische Frau und ihren Glauben ein, wieder einmal die Fassade unseres Lebens- und Glaubensgebäudes abzuklopfen. Vielleicht muss manches abbröckeln, was hohl und leer geworden ist. 
Es kann mir aber auch wieder einmal deutlich machen, und dafür darf ich dankbar sein, wie viel Gutes hinter meiner Fassade steckt. Vielleicht lässt mich so ein Blick hinter die Fassade wieder einmal entdecken: Wie viel Gutes ist auch mir in die Hand gegeben oder konnte ich selbst erreichen. Vielleicht gilt das Wort Jesu auch mir: Dein Glaube ist groß!

Dann kann vielleicht auch von mir Heil ausgehen, wenn ich mein Herz öffne für die Menschen in Not. Gelegenheit dazu ist heute, wenn in den Kirchen bei der Augustsammlung für die Ärmsten der Armen in Afrika gesammelt wird, die auf die Brotreste warten, die vom Tisch unserer Wohlstandsländer fallen.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegneten Sonntag! Pfarrer in R. Johann Zarl 



Impuls für den 15. August



 


WARTEN AUF DAS „SANFTES, LEISES SÄUSELN“ VON GOTT

Gedanken zum 19. Sonntag

Das Bild von Gott, das uns im Alten Testament gegeben wird, ist oft das eines Militärbefehlshabers, der manchmal rücksichtslos gegenüber seinen Feinden ist. Er wird als Führer dargestellt, der mit schwerer Hand führt. Noch heute fällt es dem Gott, den Jesus vorgestellt hat, dem barmherzigen Vater, schwer, seinen Platz in unseren Herzen zu finden. Sicher gibt es im Alten Testament auch ganz andere Gottesbilder. Im Buch Genesis zum Beispiel sehen wir einen Gott, der beim Tagwind im Garten einen Spaziergang macht. Im Buch Exodus spricht Mose von einem barmherzigen und gnädigen Gott, langmütig und reich an Huld und Treue: Er bewahrt tausend Generationen Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg. Im Psalm 145 hören wir: Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld. Der Herr ist gut zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. Der Prophet Micha sagt: Wer ist Gott wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein. Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden. Im Buch Jesaja lesen wir: Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, ohne Erbarmen gegenüber ihrem leiblichen Sohn? Selbst wenn sie ihn vergisst, ich vergesse dich nicht.

Ein ähnliches Bild von Gott wird uns in der ersten Lesung von heute präsentiert: Der Prophet Elija sucht Gott im mächtigen Sturm, im Erdbeben und im Feuer, aber vergeblich. Am Ende geht Gott wie ein sanftes, leises Säuseln an ihm vorbei und der Prophet bedeckt sein Gesicht.

Die Passage der heutigen Lesung stammt aus dem 19. Kapitel des ersten Buches der Könige. Elija forderte den Götzendienst der Israeliten heraus und besiegte die Propheten von Baal, und der König und die Königin drohten ihm mit dem Tod. In Vers 3 heißt es: Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er bittet Gott: Nun ist es genug. Herr, nimm mein Leben. Für die Sache Gottes einzutreten, ist nicht ungefährlich. Die Herausforderung, den Namen Jesu zu bekennen, ist heute nicht leicht. Die Einschüchterung kommt von Terror und Verfolgung, aber nicht nur: Sie kommt auch von denen, die das Evangelium und die Kirche ständig verspotten. Wenn es um christliche Werte geht, können die hochgezogene Augenbraue und die verächtliche Stille Mittel sein, um zu versuchen, den Gläubigen einzuschüchtern.

Aber Gott wird Elija nicht einfach fallen lassen. Ein Engel des Herrn gibt ihm Brot und Wasser und dadurch gestärkt wandert er durch die Wüste, 40 Tage, und erreicht den Berg Horeb und geht in eine Höhle, um dort zu übernachten. Dort hat er die Gotteserfahrung, wie es in der Lesung geschildert wird. Danach sagt ihm Gott: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach Damaskus. Mit anderen Worten sagt Gott: Begib dich in deinen Alltag zurück und tue deine Arbeit weiter. Habe keine Angst.

Das Evangelium gibt uns dieselbe Botschaft. Hab keine Angst. Der Evangelist wollte damals mit dieser Geschichte vom Stillen des Sturmes den Christen seiner Zeit, die wegen des Glaubens bedroht und verfolgt wurden, Mut machen. Und auch wir bekommen heute mehr denn je den Gegenwind in der Welt zu spüren, im Bekenntnis zu Gott, zur Kirche, in der Nachfolge Jesu. Aber Gott ist da wie ein sanftes leises Säuseln, in den Worten Jesu: Habt Vertrauen, fürchtet euch nicht. Nicht kleingläubig sein, nicht zweifeln. 

Es gibt viel Kritik über die Art und Weise, wie die Kirche ihre Aktivitäten in der Corona-Zeit organisiert hat. Man hat der Kirche Versagen und Mutlosigkeit vorgeworfen. Sicher war die Kirche nicht besonders wortgewaltig, aber das leise, sanfte, tägliche Handeln der Kirche war und ist überall zu spüren. Dies möchten wir mit Gottes Hilfe fortsetzen. Kraft schaffen wir dafür im Still-Werden, im Gebet, wie der Prophet in der Höhle, wie Jesus auf dem Berg.  

Dr. Isaac Padinjarekuttu 


18 So im Jahreskreis, Lesejahr A 2020

1. Les. Jes 55,1-3

2. Les. Röm 8,35.37-39

Ev.    Mt 14,13-21

 

In einer großen Zusage und auch Verheißung lassen sich die Botschaft der Schrifttexte zusammenfassen:
Alle werden satt. Gott macht den Menschen „lebens- satt.“

 Wenn das auch von Ihnen schon alltägliche Lebenserfahrung ist und sie dem uneingeschränkt zustimmen können Sie hier auch schon wieder zum Lesen aufhören. ---

 Alle werden satt: Oder fällt ihnen etwa dazu ein das
Wort von Johann Wolfgang Goethes Werk in „Faust“ ein:
 „Die Botschaft hör ich wohl, allein es fehlt der Glaube?“

 -Alle aßen und wurden satt. -Was diese Botschaft bedeutet für einen selber, für die Welt, tut man sich wohl schwerer zu verstehen und auch zu glauben-,
wenn man das Gefühl von Hunger gar nicht mehr kennt.
Wir leben in einer Gesellschaft, wo ganze Geschäftszweige davon leben,
das Gewicht der Menschen zu reduzierenwo das Übergewicht,
zunehmend ein „gewichtiges“ Problem der Gesundheit
einer „breiteren“ Masse der Bevölkerung wird.
Alle aßen und wurden satt. - Ja, es trifft bei uns zu, aber weltweit gesehen, steigt wieder die Zahl derer,
von denen das sie „satt werden“ gerade nicht gesagt werden kann. ---

 „Gebt ihr ihnen zu essen“: Diese konkrete Anweisung Jesus an seine Jünger, ist gerade angesichts der aktuell wachsendem
Zahl der Hungernden weltweit, bleibender Auftrag auch für uns.
Unsere Aufgabe wird nicht sein ein Welternährungsprogramm zu erstellen.
Unser Auftrag als Christ/ Christin ist aber sehr wohl:
Das Lebensprogramm Jesu im Leben immer neu zu übernehmen und mitzuvollziehen:
Seinen Blick auf die Not der Menschen, zum eigenen zu Blick machen,
Sich von der Not mit ihren verschiedenen Gesichtern anrühren lassen,
dann das je seine/ihre tun, auch wenn es scheinbar wenig ist, und es zu Jesus bringen,
in seinem Namen, sich von ihm senden lassen, zu teilen und auszuteilen.

 -Ja, das beinhaltetet sicher auch das je seine/ ihre beizutragen,
das Hunger gelindert wird, - Aufrufe dazu werden uns kommenden Zeit angesichts große Not in vielen Ländern der Erde wohl noch öfters erreichen.

Die Bitte um „tägliche Brot“ im Vater unser beinhaltet doch gerade das:
Ich bete nicht um „mein Brot“ sondern „unser Brot“, die Bitte drückt auch die Bereitschaft aus dieses mit anderen zu teilen.

 Und es geht noch um mehr!
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund!
Das heißt das weiterzugeben, den Menschen was wirklich satt macht.
Wenn Menschen Einladungen zu kirchlichen Veranstaltungen und zu Gottesdiensten, nicht (-nicht mehr-) annehmen, gibt es viele und unterschiedliche Gründe.
Oft zusammengefasst in dem Ausspruch:
„Das gibt mir nichts!“ oder „Das gibt mir  nichts mehr!,“
-aber sie meinen vielleicht auch: „Das macht mich nicht satt/ nicht mehr satt.“
Kann das nicht für einen Anfrage und Ansporn sein nachzudenken und davon auch zu reden: Was gibt es einem selber:
Im Sinne was mich wirklich satt macht?
Ist es nicht doch die Feier der Feier der Hl. Messe, die Erfahrung der Gemeinschaft der Glaubensgeschwister?
Ist es vielleicht doch das Wort Gottes, das ich selber lese und meditiere und auch im Gottesdienst höre?

Was macht satt?
Kann ich davon erzählen, dass ich in der Hl. Kommunion mir das Lebensbrot gereicht wird, dass mich verbinden mit Jesus Christus und dadurch immer mehr selber Brot wird für andere werde?

Danke, Herr, für alles was mein Leben wirklich satt macht.
Gib mir immer neu den Hunger nach Gottes Wort und hilf mir das ich den Hunger nach dem Lebensbrot nie verliere.

Amen.

Pfr. Herbert Reisinger



„Reiter der Nivellierung“

Wie Pandemien die Welt veränderten 


Pandemien haben die menschliche Gesellschaft und Politik im Laufe der Geschichte stark beeinflusst. Von der Justinianischen Pest des sechsten Jahrhunderts bis zur spanischen Grippe des letzten Jahrhunderts haben Pandemien den Zusammenbruch von Imperien ausgelöst, herausragende Mächte und Institutionen geschwächt, soziale Umwälzungen verursacht und Kriege niedergeschlagen. Hier sehen wir einige der tödlichsten Pandemien und wie sie den Verlauf der Menschheitsgeschichte beeinflusst haben.

Justinianische Pest

Eine der tödlichsten Pandemien in der Geschichte brach im sechsten Jahrhundert in Ägypten aus und breitete sich schnell in Konstantinopel aus, der Hauptstadt des oströmischen (byzantinischen) Reiches. Die Pest wurde nach dem damaligen byzantinischen Kaiser Justinian benannt. Bei dem Ausbruch, der sich von Konstantinopel in den Westen und in den Osten ausbreitete, kamen bis zu 25 bis 100 Millionen Menschen ums Leben. Die Pest traf Konstantinopel hart, als das Byzantinische Reich unter Justinians Herrschaft auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Das Imperium hatte einen Großteil der historisch römischen Mittelmeerküste erobert, darunter Italien, Rom und Nordafrika. Die Pest würde in verschiedenen Wellen zurückkehren und schließlich 750 n. Chr. Verschwinden, nachdem das Reich erheblich geschwächt worden war. Als die byzantinische Armee nach der Ausbreitung der Krankheit keine neuen Soldaten rekrutieren und keine militärische Versorgung der Schlachtfelder sicherstellen konnte, wurden ihre Provinzen angegriffen. Die Pest hatte Konstantinopel auch wirtschaftlich schwer getroffen und seine Kriegsmaschine erheblich geschwächt. Als die Pest verschwand, hatte das Imperium Gebiete in Europa an die Franken und Ägypten und Syrien an die Araber verloren.

Schwarzer Tod

Der Schwarze Tod der im 14. Jahrhundert Europa und Asien traf, war die tödlichste Pandemie in der Geschichte der Menschheit. Nach verschiedenen Schätzungen hat sie 75 bis 200 Millionen Menschen getötet. In den frühen 1340er Jahren traf die Pest China, Indien, Syrien und Ägypten. Es kam 1347 nach Europa, wo bis zu 50% der Bevölkerung an der Krankheit starben. Der Ausbruch hatte auch dauerhafte wirtschaftliche und soziale Folgen. Nach den Worten des Stanford-Historikers Walter Scheidel in seinem Buch, „Nach dem Krieg sind alle gleich“ gehören Pandemien zu den „vier apokalyptischen Reiter der Nivellierung.“ Die anderen drei sind: Massenmobilisierungskriege, transformative Revolutionen und Staatsversagen. Scheidel schreibt, wie der Schwarze Tod zu verbesserten Löhnen für Leibeigene und Landarbeiter führte. Nach dem Tod von Millionen von Arbeitern wurde Land im Verhältnis zur Arbeit immer reichlicher. Landmieten und Zinssätze fielen. Landbesitzer mussten verlieren, und die Arbeiter konnten hoffen, zu gewinnen. In Teilen Europas verdreifachten sich die Löhne, als die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg. Und als sich die Wirtschaft besserte, setzte die Landbesitzerklasse die Behörden unter Druck, die steigenden Löhne zu kontrollieren. In England verabschiedete die Krone diesbezüglich Gesetze, deren Spannungen schließlich zum Bauernaufstand von 1381 führten. Die Pandemie führte auch zu einer groß angelegten Verfolgung von Juden in Europa. Juden, die für die Verbreitung der Krankheit verantwortlich gemacht wurden, wurden in vielen Teilen des Kontinents verfolgt und getötet.

Die bedeutendste Auswirkung des Schwarzen Todes war vielleicht die Schwächung der katholischen Kirche. Wie Frank M. Snowden, Professor in Yale und Autor von „Epidemics and Society: From Black Death to the Present“ feststellte, forderte der Ausbruch die Beziehung des Menschen zu Gott heraus. Die Frage der Menschen war, wie könnte man ein Ereignis dieser Art mit einem weisen und allwissenden Gott verbinden?" Die Kirche war so hilflos wie jede andere Institution, als sich die Pest wie ein Lauffeuer über den Kontinent ausbreitete, und das Vertrauen der Menschen in die Kirche und den Klerus erschütterte. Während die Kirche weiterhin eine mächtige Institution bleiben würde, würde sie niemals die Macht und den Einfluss wiedererlangen, die sie vor dem Ausbruch der Pest genossen hatte. Die protestantische Reformation im 16. Jahrhundert würde die Kirche weiter schwächen.

Spanische Grippe

Die spanische Grippe, die in der letzten Phase des Ersten Weltkriegs ausbrach, war die tödlichste Pandemie des letzten Jahrhunderts, bei der bis zu 50 Millionen Menschen ums Leben kamen. Die Grippe wurde zuerst in Europa registriert und verbreitete sich dann schnell in Amerika und Asien. Indien, eines der am stärksten von dieser Pandemie betroffenen Länder, verlor zwischen 17 und 18 Millionen Menschen, rund 6% seiner Bevölkerung. Eine der Hauptauswirkungen des Ausbruchs war das Ergebnis des Krieges. Obwohl die Grippe beide Seiten traf, waren die Deutschen und Österreicher so stark betroffen, dass der Ausbruch ihre Offensiven entgleiste. Der deutsche General Erich Ludendorff schrieb in seinen Memoiren dass die Grippe einer der Gründe für die Niederlage Deutschlands war. Deutschland startete im März 1918 seine Frühlingsoffensive an der Westfront. Bis Juni und Juli hatte die Krankheit die deutschen Einheiten geschwächt. „Unsere Armee hatte gelitten. Influenza war weit verbreitet. Es hat oft eine größere Schwäche hinterlassen, als die Ärzte erkannt haben“, schrieb er. Der Waffenstillstand wurde am 11. November 1918 unterzeichnet, der den Krieg beendete. Aber die Grippe würde noch viele Monate lang Teile der Welt verwüsten.

COVID-19

Es ist noch zu früh zu sagen, wie der COVID-19-Ausbruch, der bereits etwa 8 Millionen Menschen infiziert und etwa 5,00,000 Menschen getötet hat, die Welt verändern würde. Aber der Ausbruch hat dazu geführt, dass sowohl demokratische als auch diktatorische Länder den Bewegungen der Menschen drastische Beschränkungen auferlegten. Die westliche Welt, das Zentrum der Nachkriegsordnung, ist dem Angriff des Virus ausgesetzt. Die Arbeitslosenquote in den meisten Ländern der Welt ist auf das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr erreichte Niveau gestiegen. Regierungen auf der ganzen Welt, erhöhen ihre Ausgaben, um eine Wirtschaft anzukurbeln, die Anzeichen von Depressionen aufweist. Die sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind kaum abzuschätzen. Radikale Veränderungen, ob gut oder schlecht, entfalten sich bereits. Welche Veränderungen wird die Kirche erleben? Wird sie nach Wegen suchen, die gute Nachricht von Jesus Christus in der Welt gegenwärtig zu machen oder wird es nur darum gehen ihre Institutionen und Strukturen zu bewahren und zur gewohnten Normalität zurückzukehren? Die Wahl ist schwer, aber eine, die getroffen werden muss. Diese Krise sollte im biblischen Sinne als Zeichen der Zeit für eine selbstkritische und ehrliche Introspektion, zur Umkehr akzeptiert werden. wenn die Kirchen nicht ernsthaft versuchen, der Welt eine völlig andere Form des Christentums zu präsentieren, dann wird sie große Verluste erleiden. Wir können die gegenwärtige Krise entweder als eine kurze Pause sehen, die wir bald vergessen werden, oder wir können sie als Kairos akzeptieren - als eine Gelegenheit, in die Tiefe zu schauen und nach einer neuen Identität des Christentums in einer neuen Welt zu suchen, die radikal vor unseren Augen verändert.  

Dr. Isaac Padinjarekuttu 



Impuls für den 13. Sonntag im Jahreskreis

„Offen für Gott“

13. Sonntag

Der moderne Reisende hat sich an die leichte Verfügbarkeit von Platz für einen komfortablen Aufenthalt gewöhnt. In den Tagen von Elischa, dem Propheten, gab es keine Gasthäuser oder Fast-Food-Restaurants. Diejenigen, die über das Territorium ihrer eigenen Familie oder ihres Stammes reisten, waren von der Gastfreundschaft der Fremden abhängig, um zu überleben. Wie wir aus der heutigen ersten Lesung sehen, hat Elischa auf seinen Reisen Glück. Er trifft eine begüterte Frau, die ihn einlädt, seine Reise zu unterbrechen und in ihrem Haus zu essen. Die Gastfreundschaft muss gut gewesen sein, denn Elisa macht es sich zur Gewohnheit, dort auf seinen Reisen einen Aufenthalt einzulegen.Der Prophet will die Gastfreundschaft seiner Gastgeberin zurückzahlen und er bittet seinen Diener um eine Idee. Sein Diener sagt ihm, dass sie keinen Sohn hat, und der Mann ist alt. Der Diener ist klug. Er weiß, dass die Frau diesen heiligen Mann versorgt, weil sie hofft, dass sie den besonderen Segen eines Kindes erhalten wird. Ihre Hoffnung wird erfüllt. Die Frau erhält ihre Belohnung, einen Sohn. Nach den Worten Jesu im heutigen Evangelium wird jeder, der einen Propheten empfängt, weil er ein Prophet ist, die Belohnung eines Propheten erhalten, und wer einen heiligen Mann empfängt, weil er ein heiliger Mann ist, wird die Belohnung eines Heiligen haben.
 

In der Tradition der Stämme, die sich von Ort zu Ort bewegen, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu finden, ist Gastfreundschaft eine Frage des Lebens und des Todes. Ihr modernes Äquivalent könnten die Wanderarbeiter sein, die ihre Häuser und Familien verlassen, um Arbeitsplätze zu finden. Alle diese Leute brauchen die Gastfreundschaft anderer Menschen, um zu überleben. In der heiligen Tradition Israels wurde die Gastfreundschaft als eine der Hauptaufgaben eines fürsorglichen Volkes angesehen. Der Fremde, der Außenseiter, der Wanderer, jeder außerhalb seines Heimatlandes, wurde als Mensch angesehen, der besondere Sorgfalt braucht. Der Grund dafür war im Gesetz verankert: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch unterhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott“ (Lev 19: 33-34).

Jesus selbst hat diese Erfahrung gemacht. Sobald er geboren ist, muss er nach Ägypten für Sicherheit und Schutz gebracht werden. Als Erwachsener erfährt Jesus, dass er sich nicht auf die Akzeptanz seiner eigenen Landsleute verlassen kann, wenn er seinen Dienst als Prophet beginnt. Er wird ein Wanderprediger mit seiner Anhänger. Sie werden zu einem reisenden Volk, das von der Gastfreundschaft anderer abhängen muss.

Wenn Jesus in den Städten und Dörfern von Leuten empfangen wird, die ihn als einen heiligen Boten von Gott sehen, empfängt das Volk auch eine Belohnung: Die Armen hören die gute Nachricht, die Kranken sind geheilt, die Sünder erfahren die Vergebung Gottes. Das ist die Belohnung für die Gastfreundschaft, die sie Jesus und seinen Jüngern zeigen. Ihre Gastfreundschaft ist nicht nur die Frage des Bettes und des Frühstücks. Sie gewähren Gastfreundschaft, indem sie ihr Herz für den Besuch Gottes öffnen, der in der Person Jesu kommt. Die Gegenwart Jesu berührt sie. Sie sind wegen seines Besuches verändert. Wo Jesus und seine Jünger aber verschlossene Türen und verschlossene Herzen in ihren Städten vorfinden, empfängt das Volk dafür nur Staub von den Füßen.

Die ultimative Unterstützung, die Jesus sucht, ist unsere Offenheit für das Evangelium. Sein Versprechen gilt für alle, die heute sein Wort hören. Jesus will nicht, dass wir seinen Boten ein Opfer geben in der Hoffnung, dass sie weggehen und uns in Frieden lassen. Die Propheten unter uns zu unterstützen, bedeutet zuerst zu hören, was sie sagen. Aber es bedeutet auch, die praktische Verantwortung für die Unterstützung in ihrem Dienst zu übernehmen. Eines der Merkmale der Kirche ist die Großzügigkeit der Menschen gegenüber denen, die für sie Dienste und Ämter übernehmen, und für so viele pastorale Projekte. Jesus sagt, dass alles belohnt wird. Wenn es auch nur ein Becher kaltes Wasser ist, wird es seine Belohnung haben. Die Menschen werden durch ihre Großzügigkeit für die Sache des Evangeliums nichts verlieren, wie Jesus seinen Boten sagt: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Am Ende ist es Gott, der unser Gast ist.

Dr. Isaak Padinjarekuttu



Impuls für den 12. Sonntag im Jahreskreis

Impulsgedanken zum 12. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr

Eine Vielzahl an Grundgefühlen gehört zum Leben eines Menschen. Wir alle kenne sie: Freude, Trauer, Wut, Furcht und Angst. Furcht und Angst sind gerade in der derzeitigen Coronasituation für viele Menschen zum täglichen Begleiter geworden.

Am heutigen Sonntag bringt der Evangelist Matthäus die Aussendungsrede Jesu mit seiner Zusage und Aufforderung: „Fürchtet euch nicht!“

Eigentlich umspannt diese Botschaft sein ganzes Evangelium. Am Beginn kündet er den „Immanuel – den Gott mit uns“ an und lässt Josef durch den Engel Mut zusprechen, mit der Aussage: Fürchte dich nicht Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet ist vom Heiligen Geist.“

Am Ende seines Evangeliums spricht er uns durch Jesus zu: „Siehe ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Der Evangelist Matthäus verkündet uns einen Gott, der mitten unter uns ist und führt die Gottesoffenbarung des Ersten Testamentes fort, wo er sich Mose im brennenden Dornbusch als der „ICH BIN DA“ vorstellt. Nach der Übersetzung von Martin Buber „Ich bin da, wo du bist“.

Dieser Gott schenkt uns im heutigen Evangelium gleich dreimal die Zusage „Fürchte dich nicht!“ Eine Zusage, die wir Menschen in unserem Alltag anscheinend besonders oft brauchen.

„Fürchte dich nicht vor den Menschen!“

Du Mensch hab keine Angst vor deinem Mitmenschen. Ihr seid beide meine geliebten Geschöpfe. Ihr seid seit der Taufe Kinder des dreifaltigen Gottes.

„Fürchte dich nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“

Gott sei Dank, brauchen wir in unseren Wohnorten nicht um unser Leben fürchten. Trotzdem dürfen wir Jesus hören – er sagt dir und mir zu - Fürchte dich nicht, deine Beziehung zu mir und meine Beziehung zu dir ist einmalig und unauslöschbar. Kein Mensch kann sie verhindern. Kein Mensch kann sie dir nehmen. Kein Mensch kann sie ersetzen.

Und als drittes „Fürchtet euch nicht. Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.“ Diese Aussage Jesu lässt mich jedes Mal schmunzeln, weil ich mir denke: Naja bei einigen meiner Brüder hat er da nicht mehr besonders viel Arbeit. Aber klingt in diesen Worten nicht durch, wie liebevoll Gott um mich bescheid weiß, wie wichtig ich ihm bin. Anschließend folgt ja der Satz: „Ihr seid mehr wert als viele Spatzen, von denen keiner ohne den Willen meines Vaters zur Erde fällt.“

Welch überwältigende Zusage Gottes wird uns am heutigen Sonntag verkündet.

Kann ich es IHM wirklich glauben, dass ich IHM so unendlich wichtig bin - so wie ich bin?

Bin ich nicht im Alltag meines Lebens, egal wo ich stehe, immer wieder aufgerufen IHM meinen Vertrauensversuch entgegenzubringen, damit ER mich senden kann und damit ER durch mich Seine befreiende Botschaft zu den Menschen um mich, in meiner Familie, in meiner Gemeinschaft, auf meinem Arbeitsplatz verkünden kann? 

Sr. M. Margret - Rosina Grill

Schulleiterin

Schulen für wirtschaftliche und soziale Berufe

Schulverein Marienschwestern Erla 



Impuls für den 11. Sonntag im Jahreskreis


Gedanken zum 11. Sonntag im Jahreskreis: A 14. Juni 2020 (Mt 9,36 - 10,8)

Wie aktuell die Botschaft Jesu, das Evangelium ist, zeigt dieser Sonntag. Jesus sieht die vielen Menschen, die müde und erschöpft sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“, hören wir aus dem Munde Jesu.

Ja, das ist auch unsere Situation heute! Wir merken es auch in unserem Pfarrverband. So viel wäre zu tun. Die Menschen brauchen Hirten, die für sie da sind, die ihnen den Weg weisen, die ermutigen, heilen, von Schuld lossprechen. Dabei geht fast die ganze Energie in Organisation auf. Zählen, wie viele in die Kirche dürfen u.ä.

Alles umsonst!

Es wundert mich dann nicht, wenn ich fast frustriert höre:  „Es ist ja eh alles umsonst ...“ Wie oft sagen wir das. Wir haben uns nach Kräften engagiert, aber der erhoffte Erfolg bleibt aus. Wir haben viel investiert und es ist kein Fortschritt zu erkennen, eher geht alles zurück. Es lohnt sich nicht, denken wir: „Es ist ja doch alles umsonst ...“

Das lateinische Wort für dieses „umsonst“ heißt frustra, es ist heute in aller Munde: frustriert! Ich bin frustriert, weil meine Anstrengungen so wenig bringen; ich bin frustriert, weil ich nicht weiterkomme; ich bin frustriert, weil bei all meinem religiösen Bemühen, bei Gebet, Gottesdienst und Nächstenliebe so wenig herausspringt. Alles umsonst!

Gratis

Es gibt ein ganz anderes Umsonst: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“, so hören wir es diesen Sonntag im Evangelium aus dem Munde Jesu. Das ist ein Kernwort unseres Glaubens. Im lateinischen Text steht da nicht frustra, sondern gratis. Das klingt ganz anders. Unser deutsches „umsonst“ ist doppeldeutig.

Die lateinische Sprache hat dafür zwei Ausdrücke: frustra und gratis. Was ich euch geben möchte, sagt Jesus, das könnt ihr euch nicht erarbeiten, das bekommt ihr gratis. Das folgt nicht den Gesetzen des Rechnens, sondern des Schenkens. 

Ihr empfangt das Heil umsonst. Es ist von seinem Wesen her ganz und gar gratis. Deshalb könnt ihr es auch nur umsonst weitergeben.

Es gibt Erfahrungen, die kann man nicht machen oder mit Geld kaufen. Auch nicht mit dem größten Einsatz seiner Talente.

Den Glauben kann man nicht herstellen, er stellt sich ein.

Freude kann man nicht herstellen, sie stellt sich ein.

Liebe kann man nicht herstellen, sie stellt sich ein. Man kann sie sich letztlich nicht verdienen, sie ist gratis. Wer an verschmähter Liebe leidet, der weiß, dass Geliebt-Werden Gnade ist. Liebe ist unbezahlbar.

Ein Geschenk des Himmels

So ist es mit der Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus offenbart hat. Sie ist nicht zu verdienen, für kein Geld in der Welt. Sie ist unbezahlbar, gratis. Wer seinen Glauben berechnen will in Aufwand und Ertrag, der merkt bald: Das bringt nichts, das ist umsonst, und er ist frustriert. Wer ihn dagegen wie ein Geschenk des Himmels annimmt, der merkt bald: Das kann ich mir gar nicht verdienen und erkaufen, das ist unbezahlbar, gratis.

Gratis, darin steckt das lateinische gratia (= Dank). Dank ist nicht gleichzusetzen mit Erfolg oder Entgelt. Aber Dank ist auch nicht nichts. Dank ist die angemessene Antwort auf das empfangene Geschenk. Er gebührt zunächst nicht den Boten des Evangeliums. Sicher ist auch ihnen zu danken, wenn sie gratis weitergeben, was sie empfangen haben. Aber an erster Stelle und vor allem ist Christus zu danken, denn von ihm haben wir das Heil empfangen. 

Darum feiern wir die Eucharistie, die große Danksagung der Kirche.

             Ich wüsche Ihnen einen Sonntag, an dem sie entdecken, wie beschenkt sie sind! Umsonst! Gratis!

                             Ihr Pfarrer in R. Johann Zarl 



Impuls für Fronleichnam

Fronleichnamsfest 2020 – Lesejahr A – von Diakon Manuel 

„Der Himmel geht über allen auf. Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf. Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf.“ – dieses Lied, ein Kanon, wir haben es meiner Seminar-Zeit oft gesungen, fällt mir immer rund um den Fronleichnamsfesttag ein. Wir in der Pfarre St. Valentin, mussten nach Fronleichnam im Vorjahr mit Schrecken feststellen, mit unserem Trage-Himmel, auch „Baldachin“ genannt, stimmt etwas nicht. Er löst sich auf! Eine genauere Analyse der Benediktinerinnen von Steinerkirchen an der Traun ergab, dieser Tragehimmel ist wunderschön und einzigartig, aber er ist unrettbar zerstört! Klitzekleinen „Viecherln“ wurde er zu einem Festtagschmaus! Für uns stellte sich die Frage: Kaufen wir einen neuen „Himmel“? Wenn ja, wo? Von der Stange in einem Kirchendiscounter oder lassen wir einen neuen in einer Paramenten-Werkstätte anfertigen? Gibt es irgendwo einen Baldachin der nicht mehr verwendet wird, den wir ankaufen könnten? Soll er ein traditionelles Erscheinungsbild haben, dem Vorgänger ähnlich, oder lassen wir etwas Modernes kreieren? Braucht „unsere Zeit“ überhaupt noch solche Zeichen der barocken Frömmigkeit? Fragen über Fragen! Auch die Finanzierung ist eine Sache für sich. Was tun? Um es kurz zu machen: Wir haben einen neuen Himmel gekauft. Preis-Leistung stimmt! Mit diesen Gedanken zum „Himmel-Kauf“ möchte ich uns anregen, darüber nachzudenken, um was es, genauer um WEN es im Fronleichnamsfest geht. Äußerlichkeiten, die schön sind, keine Frage, können uns zum Wesentlichen hinführen, aber auch davon ablenken! Es braucht keinen „Prozessionshimmel“, keine Fahnen und anderen „Klimbim“. Die Mitte des Festes, das geistliche Lebensmittel, die spirituelle Lebensmitte von uns Christen, „finden“ wir hinter Glas, in einem kunstvoll gestalteten „Herzeige-Gerät“, Monstranz genannt. Um IHN, um Jesus im eucharistischen Brot, dreht sich das ganze Fest und alles Beiwerk! Ich glaube sogar, dass es uns guttun könnte, dass „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ heuer, „Corona sei Dank“, anders zu feiern! Wir machen heuer keine Prozession, dafür werden wir, wenn es das Wetter erlaubt, unter freiem Himmel im Pfarrhofgarten die „Feldmesse“ feiern! Unser neuer Baldachin-Himmel wird dieses Jahr über unserem Feld-Altar stehen, als Hinweis-Zeichen, UM WEN es geht! Um das „Brot vom Himmel“ unter freiem Himmel, unter einem neuen Himmel! Angelus Silesius, ein Universalgelehrter wurde berühmt für seinen kurzen Satz: „Der Himmel ist in dir!“. Darüber gilt es nachzudenken, wenn wir heuer ANDERS Fronleichnam feiern! Hl. Juliana von Lüttich, bitte für uns!

 

Für Erwachsene: Kennen Sie die Hl. Juliana von Lüttich? „Googeln“ sie diese Dame einmal und sie werden erkennen, warum es ohne diese Frau Fronleichnam nicht geben würde! Beten wir wieder bewusster beim Vater unser die Worte „unser tägliches Brot gib uns heute“. Beim Mittagstisch wäre ein Tischgespräch über die Bedeutung der Eucharistie schön. Was „gibt“ mir die Hl. Kommunion? Welche Erinnerungen habe ich an meine Erst-Kommunion, die Vorbereitung darauf?

Für unsere Kinder: Zu Fronleichnam erinnern wir uns an das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern. Schlag deine Kinderbibel auf, lies nach! Wenn du gerne zeichnest, könntest du das letzte Abendmahl, Jesus und seine 12 Apostel malen. Oder gestalte deine „Fantasie-Monstranz“. Sei kreativ! 



Impuls für den Dreifaltigkeitssonntag

Dreifaltigkeitsonntag                                                      

 Ich habe heilige Namen in Leichtsinn ausgesprochen.“

So war und ist es in Bekenntnissen bei einer Beichte zu hören.

Als Priester frage ich mich:

Was heißt es nun „Heilige Namen im Leichtsinn aussprechen?“

-Es gibt wohl Worte im Bekenntnis, bei Älteren und bei Jüngeren,

die wiederholen sich.

Manche Formulierungen werden dann schon selber wie Rituale:

Kann es nicht sein, dass diese ritualisierten Formulierungen beitragen,

dass der Inhalt, das was man eigentlich sagen will

mehr und mehr zurücktritt?

Manches ist ja im Bekenntnis oft nur angedeutet:

Es scheint der Priester soll erahnen und zwischen den Zeilen herauslesen, was eigentlich gemeint ist.

Das was in einem Gespräch auch sonst nicht förderlich ist,

ist auch in einem Beichtgespräch nicht förderlich:

Im Sinne, Mann/Frau sagt etwas: Aber doch nicht ganz:

„Heilige Namen in Leichtsinn ausgesprochen“:

-Ich höre heraus, dass damit wohl das 2. Gebot angesprochen ist:

Du sollst den Namen JHWHs, deines Gottes nicht missbrauchen.

-Ist ja Gottes Name uns „heilig“.

Er soll nicht „leicht sinnig“ ausgesprochen werden:

In Leichtsinn aussprechen könnte heißen:

„Hör der Himmelvater schimpft“, sagte man früher zu Kindern wenn's

geblitzt und gedonnert hat.

Heute begegnet einem in der Rede von Gott eher das Gegenteil:

 Von Gott wird manchmal geredet: Lieblich, nett und harmlos:

Gott erscheint eher als ein Hampelmann, wo alles erlaubt ist, der über alles und jedes locker hinwegsieht.

„In Leichtsinn aussprechen“:

Geht es nicht oft schnell über die Lippen, als Ausruf:

 „Um Gott's Willen!“, oder in „Gott's Noam!“.

Wie oft in seinem/ihrem Leben nimmt wohl jemand, der verkündigt

„Gott“ in den Mund? Wie oft, ist da in seinem/ihrem Leben das eigene Herz nicht dabei – oder anders formuliert:

erahnt er/sie doch immer wieder einmal, was, wen er/sie da ausspricht?

                       Heute: Hochfest der heiligsten Dreifaltigkeit.

-Wäre es vielleicht richtiger, ganz zu schweigen?

Ich will es mit einem Wort des Augustinus sagen:

„Von Gott kann man nicht reden, doch wehe dem, der von ihm schweigt“

Ja, es ist ein großes Geheimnis, das wir an diesem Hochfest feiern:

Ein Geheimnis, aber nicht im Sinne von „Geheimniskrämerei“, sondern im Sinne von Geheimnis, das auch ein geliebter Mensch auch nach vielen Jahren des gemeinsamen Weges bleibt.

Der andere, die andere übertrifft bei weitem das eigene Verstehen und das Bild, das man über ihn/sie hat.

-In diesem Sinne ist Gott: „Geheimnis.“

Wir feiern heute nicht ein „höheres Wesen“, an das wir glauben, sondern einen Gott, der uns liebend zugewandt ist,

der in seinem Sohn Jesus Christus seine Liebe gezeigt hat und zeigt:

Wer an ihn glaubt, der kann Ihn aufnehmen und im Leben, im Herzen, eine  Wohnstätte geben: Durch den Geist der ihn uns wohnt. 

(Röm 8,4) -

„In ihm bewegen wir und sind wir“ (Apg 17,28)

In diesem Sinne, darf ich diese heilige Namen dankbar, staunend, anbetend immer wieder, nicht leicht sinnig, aber sehr wohl leichten Sinnes aussprechen: 

Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Mod. Mag. Herbert Reisinger 



Impuls für den Pfingstsonntag


Pfingsten 2020

Wenn ich Sie fragen würde, was Sie unter ‚Geist‘ verstehen, wäre es sicher nicht ganz einfach, diese Frage zu beantworten. Leichter fällt uns schon eine Antwort, wenn wir von der Aktivität des Geistes sprechen. Wir können, zum Beispiel, leicht über Geistlosigkeit reden. Jeder weiß, was ein geistloser Witz ist. Das ist ein Witz, über den man nicht lachen kann. Jeder weiß, was eine geistlose Rede ist. Das ist eine Rede, bei der man einschläft. Jeder weiß, wer ein geistloser Mensch ist. Das ist jemand, der das Denken den Pferden überlässt, der blind seinen Trieben und Instinkten folgt. Kurz: Mit geistlos bezeichnen wir alle Situationen, in denen es langweilig, mechanisch, kalt, starr und stur zugeht. Wo aber der Geist auftaucht, da wird's lebendig, farbig, bunt, da horcht man auf und hört zu; da ist man gebannt und gespannt; da erkennt und erfährt man Neues. Wo Geist ist, da ist Leben!

Übertragen wir den gleichen Denkansatz auf unser Pfingstfest, so wird deutlich, warum das Kommen des Heiligen Geistes bitter notwendig war - und ist. Denn was wäre ohne den Heiligen Geist?:

Ohne den Heiligen Geist wäre der christliche Glaube nichts anderes als irgendeine religiöse Ideologie.

Ohne den Heiligen Geist wäre das Gebet nichts anderes als leere und seelenlose Wortemacherei.

Ohne den Heiligen Geist wäre die theologische Wissenschaft nichts anderes als ehrfurchtsloses Gerede.

Ohne den Heiligen Geist wäre die Kirche nichts anderes als eine verknöcherte Institution, ein religiöses Machtgebilde, dessen Funktion niemand mehr zu erkennen vermag.

Ohne den Heiligen Geist wären Papst, Bischöfe und Priester nichts anderes als routinierte religiöse Funktionäre, Manager in sonderbaren Gewändern.

Ohne den Heiligen Geist wäre aus dem gesamten Christentum buchstäblich „die Luft raus.“ "Geist und – Luft“ sind in der Bibel das gleiche Wort - und das will viel heißen!

Am Pfingsten ist der Heilige Geist auf die Apostel, auf die junge Kirche in Feuerzungen herabgekommen. Er hat die Kirche nie mehr verlassen, sondern wirkt bis auf den heutigen Tag sein Werk in ihr. Das kann man beweisen. Denn zweifellos gibt es in der Kirche Christen, die anstecken und begeistern. Zweifellos gibt es in der Kirche Gebete, die zünden und in Bewegung setzen. Zweifellos gibt es in der Kirche Theologen, die Altes überzeugend vermitteln und Neues erkennen. Zweifellos gibt es in der Kirche Geistliche, die etwas bewirken und bewegen.

Aber eben nicht überall. Wer wollte leugnen, dass es in der Kirche auch Geistlosigkeit gibt! Es gibt erstarrten Glauben, zum Gerede veräußerlichtes Gebet, verknöcherte Institutionen, ehrfurchtslose theologische Diskussion, geistlose Geistliche! Weil es das gibt, ist es durchaus notwendig, um das Kommen des Heiligen Geistes zu bitten, der in Kirche und Welt sein Werk wirkt auch im Schatten vom Corona. So lasst uns heute beten: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen und du wirst das Angesicht der Erde und der Kirche erneuern.“   


von Dr. Isaac Padinjarekuttu

 


Impuls für den 7. Sonntag der Osterzeit

Gott des Lebens und der Liebe

Vater bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast,

damit sie eins sind wie wir! Joh 17,11  

Das heutige Evangelium ist eine Passage aus den Abschiedsreden Jesu. Wer sich auf lange Zeit oder gar für immer verabschiedet, sagt Wesentliches, möchte den Seinen Werte hinterlassen, ihnen Worte mitgeben, die ihnen helfen zu einem erfüllten Leben. So auch Jesus. Er hat mit seinem Leben ein Beispiel uneingeschränkter Liebe zu ALLEN Menschen gegeben, nahm Freud und Leid auf sich. Jetzt will er das, was er bisher vorgelebt hat, noch einmal ins Wort bringen, sagen, was ihm wichtig ist.  

·        Da ist vor allem sein tragender Grund: Seine Kraftquelle ist ohne Zweifel seine Beziehung zum Vater im Himmel. An ihn hat er sich immer wieder mit Bitte und Dank und Lobpreis gewendet, er verweilte ganze Nächte im Gebet. Seine Abschiedsrede ist ein inniges Gespräch mit dem Vater. Er erinnert seine Jünger und Jüngerinnen daran, dass der Vater ihn gesandt hat, ja, mehr noch, dass er ganz und gar eins ist mit dem Vater, mehr noch, dass er jetzt in die Herrlichkeit zurückgeht, die er vorher schon beim Vater hatte. Wer mich sieht, sieht den Vater; ich und der Vater sind eins, so hatte er ja oft betont.  

·        Und dann die Verbundenheit mit seinen Jüngern und Jüngerinnen. Sie will er ganz in das Ein-Sein mit sich und dem Vater hineinnehmen. Mehrmals wiederholt er die Worte: du in mir- ich in dir – sie in uns. Wir Menschen sind also total hineingenommen in Gott! Mir nimmt das fast den Atem! Umarmt von Gott sind wir, von Gott, der universale Liebe ist! Ist das nicht eine wunderbare Verheißung? Gleichzeitig erinnert Jesus auch an seinen Herzenswunsch: Seid alle eins! Anders ausgedrückt: Liebet einander wie ich euch geliebt habe! Das einzige Gebot, das Jesus uns wirklich gegeben hat.  

Der letzte Sonntag in der Osterzeit lässt uns aber auch nach vorne schauen, auf das Kommen des Hl. Geistes. Die Lesung aus der Apostelgeschichte lädt uns ein, uns wie die Jünger und Jüngerinnen darauf vorzubereiten, Wir sind in diesen 9 Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten eingeladen, unser Herz zu öffnen für den Beistand, den Jesus uns versprochen hat, in dem er als der auferstandene Christus, bis zum Ende der Welt bei uns bleiben wird. Die Jünger und Jüngerinnen tun sich in der Bitte um Gottes lebensspendenden Geist mit Maria, der Mutter Jesu, zu einer betenden Gemeinschaft zusammen.  

Ich denke, gerade jetzt, nach den Entbehrungen der Corona-Zeit, spüren auch wir intensiver als je zuvor, wie wichtig Zusammensein, Beziehung und Begegnung sind. Selbst die modernsten Medien mit Sehen und Hören konnten die persönliche Begegnung mit Familienmitgliedern, Freunden ---, die körperliche Nähe mit Händedruck und Umarmung nicht ersetzen.  

Ich versuche zusammenzufassen, was für Jesus wichtig ist: Beziehung, Begegnung. Seine intensive Beziehung zum Vater ist seine Kraftquelle. Gleichzeitig lebt er eine starke Beziehung zu Mitmensch und Natur, aber auch zu sich selbst, indem er unbeirrbar an seiner Identität als Verkünder der Liebe Gottes festhält. Es ihm gleichzutun ist seine herzliche Einladung an uns! Und er stattet uns dafür immer neu mit den Gaben seines Leben spendenden Geistes aus.  



Sr. Huberta Rohrmoser,
Marienschwester in Klein Erla   





Bild: Gertrud Deppe

https://menschkunst.de/suche/tagger.php?kunstbereich_id=44



Impuls für Christi Himmelfahrt


Christi Himmelfahrt: 21.5.2020

Wir haben in Österreich das Glück, den heutigen Donnerstag als Feiertag begehen zu dürfen. Das ist eine gute Sache. Aber Feiertage sind dazu da, um zu feiern! Meine Frage: wissen die Leute überhaupt, was wir heute feiern?

Eigentlich geht es um einen Abschied. Christus geht endgültig fort! 40 Tage nach seiner Auferstehung, kehrt der Herr in den Himmels heim. Jesus wird vor den Blicken der Jünger verhüllt und entschwindet. Ja, man spürt richtig, wie verlassen und einsam die Apostel plötzlich dastehen.

Ein ähnliches Verlassensein habe ich als kleiner Bub einmal gespürt, wie mich meine Eltern im Seminar in Seitenstetten besucht haben. Damals durften wir ja nur 4 mal im Jahr nach Hause fahren.

Bis heute ist mir in Erinnerung geblieben, wie ich nach einem Besuch mit meinen Eltern zum Zug gegangen bin. Wie der Zug abgefahren ist, habe ich ihm lange nachgeschaut, bis er schließlich am Horizont verschwunden war. Dann bin ich armselig und verlassen alleine am Bahnhof dagestanden und Tränen sind geflossen.

Ich spüre solche Verlassenheit als Pfarrer sehr häufig bei den Menschen beim Begräbnis, wenn der Sarg in das Grab gesenkt wird oder das Auto mit dem Leichnam wegfährt.

Ich spüre solche Verlassenheitsgefühle heute auch oft in der Kirche. Bei manchen Ereignissen in der Kirche, wo die Verantwortlichen oft so hilflos agieren, bei der fortschreitenden Säkularisierung, beim Priestermangel. Vieles ließe sich hier aufzählen.

Ich weiß nicht, ob Sie mir zustimmen, aber ich denke, wir Christen stehen heute auch ein bißchen erstarrt da: erstarrt in Frustration, Selbstmitleid und Sentimentalität! Wie damals die Jünger: verlassen und perplex, ein Häuflein Elend. Damals musste sogar ein Engel die erstarrten Jünger ermahnen: „Was steht ihr da und starrt zum Himmel!“

Was machen wir gegen das Erstarren? Wenn wir auf die Jünger damals schauen, könnten wir etwas lernen. Die machen nämlich etwas sehr wichtiges: Gerade da, wo sie sich von Jesus verlassen fühlen, gehen sie einfach in den Abendmahlssaal zurück und beginnen zu beten. Mir fällt auf, dass die nicht viel lamentieren und nicht viel debattieren. Nein, die beten einfach!

Die Jünger damals beten. Sie beten mit Maria, mit den anderen Frauen, beten gemeinsam und intensiv. Wo Jesus abwesend scheint, da muss um seine Gegenwart gebetet werden! Denn er hat ja vor seinem Abschied versprochen: „Fürchtet euch nicht: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“

„Ich lasse euch nicht als Waisen verlassen zurück! Ich werde einen Beistand senden, der euch in die ganze Wahrheit einfuhren wird.“

Neun Tage betet damals diese Urkirche, es ist die erste Novene, das erste neuntägige Gebet. Sie können das leicht nachrechnen: Von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten sind es 9 Tage.

Und was bewirkt dieses Gebet? Etwas Großartiges! Am Ende wird sich der Himmel öffnen: und zwar im Sturm und feuriger Begeisterung! Das ist Pfingsten. Das Fest des offenen Himmels, das Fest der Kraft des Geistes Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn wir auf Pfingsten schauen, verstehen, wir, warum Christus in den Himmel aufgefahren ist: Jesus ist in die Ewigkeit des Himmels heimgekehrt, um anders bei uns zu sein: Durch seinen Geist. Durch die Kraft dieses Geistes bleibt Christus in seiner Kirche. Schluss mit der innerkirchlichen Lamentiererei, Schluss mit den Frustrationen: Christus hat uns nicht wirklich verlassen, er wird seine Kirche nie verlassen!

Als kleiner Bub damals stand ich ziemlich verlassen am Bahnhof. Was habe ich gemacht? Ich ging in das Seminar zurück und tat das, was mich meine Mutter immer gelehrt hat, was wir jedesmal taten, wenn ich von zu Hause fortgefahren bin. Die ganze Familie, auch am Sonntag, wenn das Gasthaus voll war und die Leute warten mussten. Da gingen wir zur Marienstatue im Schlafzimmer der Eltern und haben dort gemeinsam gebetet. Und das war immer sehr beruhigend und tröstend.

Und genau das habe ich damals auch gemacht. Ich ging ins Seminar zurück in die Kapelle und ich habe dort vor der Marienstatue gebetet. Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern. Aber irgendwie war dort die Verlassenheit vorbei. Ich glaube schon, dass mir das meine Eltern beigebracht haben und ich es dort gespürt habe: Wo gebetet wird, wird Gott spürbar und gegenwärtig. Wo gebetet wird, wird alles gut! Wer betet, ist nie allein!

Vielleicht sollten wir uns darauf auch in dieser Coronazeit wieder erinnern. Es hilft mindestens so gut wie das beste Desinfektionsmittel. I

Ich wünsche ihnen einen zuversichtlichen Christi Himmelfahrtstag!

Ihr Johann Zarl

Pfarrer i R.  



Impuls für den 6. Sonntag der Osterzeit


 

Impulsgedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A von Diakon Manuel (Joh 14,15-21) 

Wäre nicht „Corona“, so würden an den kommenden Samstagen im Mai viele Hochzeiten stattfinden! In den letzten Wochen, habe ich mit vielen enttäuschten Brautpaaren telefoniert, versucht so manche Braut-Träne zu trocknen. Beim Sonntagsevangelium ist mir das Wort „Beistand“ sofort ins Auge und ins Herz gesprungen! Junge Brautpaare suchen sich Trauzeugen aus. Der Begriff „Beistand“ verschwindet oft zugunsten der Bezeichnung „Trauzeuge“. Mir gefällt das Wort „Beistand“! Und in meinen Hochzeitspredigten, spreche ich immer auch die Beistände des Brautpaares an. Sie haben eine hohe Aufgabe, sie stehen den Brautleuten bei, konkret im Moment der Spendung des Ehesakramentes, sie fungieren als unterschreibende Zeugen, aber damit ist ihr Auftrag noch nicht erfüllt! Meiner Überzeugung nach, haben Trauzeugen, Beistände die Aufgabe, „ihr“ Ehepaar auch in (die) Zukunft zu begleiten, mit Interesse, Zuwendung und Gebet! Jesus spricht in seinen „Abschiedsreden“ (vor seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt) von einem ganz besonderen Beistand, den Gott uns senden wird, wenn er nicht mehr leibhaft unter uns weilt! Mit diesem Beistand spielt Jesus auf den Heiligen Geist an. Der Hl. Geist, eine geheimnisvolle „Person“ innerhalb der Dreieinigkeit! Für mich ist der Geist Gottes, der Geist Jesu, der Verbinder, das „Verbindungsmittel“, kurz, er der Geist oder sie die „Geistin“ (hebräisch „ruach“) ist für mich LIEBE in der reinsten Form! Diese Liebe Gottes verbindet uns, mindestens auf zwei Weisen (- es mag noch mehrere geben!): Sie ermöglicht GEMEINSCHAFT und IST HEILSAM!


Zum Weiterdenken:

Wer ist mir Beistand? Wem stehe ich bei? Meldet euch wieder einmal bei euren „Beiständen“, den Trauzeugen, Tauf- und Firmpaten! In welchen Situationen meines Lebens habe ich den Beistand Gottes schon erlebt? Wer hat „ihn“ mir erfahrbar gemacht? 

 

Für unsere Kinder:

Schaut euch eure Tauffotos wieder einmal an. Vielleicht gibt es sogar einen Film von eurer Taufe? Zeichnet eurem Taufpaten, eurer Taufpatin eine Zeichnung von euch zwei. Sucht die Hochzeitsfotos eurer Eltern! Fragt sie, wer ihre Trauzeugen waren und warum sie sich gerade diese Personen ausgesucht haben?

Diakon Manuel Sattelberger

Impuls für den 5. Sonntag der Osterzeit

Muttertag


Sonntag in der Osterzeit  - Muttertag            

1.  Lesung     Apg 6,1-7
2. Lesung  1 Petr 2,4-9
Evangelium    Joh 14,1-12

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft.“ 1 Petr 2,9

„Herr Pfarrer kommen Sie bitte nach vorne!“ 
Selbst bei nicht kirchlichen Veranstaltungen werden Priestern besondere Ehrenplätze zugewiesen. - Zur Zeit ist es ja n icht so -weil es keine Veranstaltung gibt -,  aber wir dürfen annehmen, das nach den Beschränkungen auch hier die alte Ordnung wieder einkehrt. 
Am 8. Mai wurde des 75. Jahrestages des Endes des 2. Weltkrieges gedacht. Erinnern wir uns daher auch an Priester und Ordensleute, 
denen damals die letzten Plätze zugewiesen wurden: 
Viele waren von Ihnen auch in Konzentrationslagern und fanden dort den gewaltsamen Tod.  
Ehrenplätze für Priester, sind nicht an sich verwerflich, 
denn ob nun der Priester in der ersten Reihe sitzt oder in der letzten Reihe:
Das Wort Jesu, gesprochen im Abendmahlsaal bleibt der Maßstab und was daraus folgt wird dann sichtbar im konkreten Leben. (-oder leider auch nicht!):  


„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, 
wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15)

Der Erste soll der Priester im Dienst am Nächsten sein, 
nach dem Beispiel Jesu. Dass das im Laufe der Kirchengeschichte oft nicht gelungen ist und bis heute nicht gelingt -oder sich sogar in das schreckliche Gegenteil verkehrt - war und ist vielen zurecht zum Stein des Anstoßes geworden.
Leider ist das Wort vom „auserwählten Geschlecht“ und der 
„königlichen Priesterschaft“ aber durch die Jahrhunderte sehr exklusiv verstanden worden: Allein auf die Priester im Gotteshaus.
Diese herausfordernde Zeit, in der wir leben, haben gläubige Menschen, 
trotz aller Einschränkungen, aber genau dagegen ein starkes Lebenszeichen gegeben:  Zum einen im konkreten Einsatz  für andere in der Nachbarschaft, bei denen die der Hilfe bedürfen (z.B. Einkaufen, Besorgungen machen usw.).  Zum andern haben Frauen und Männer, junge und ältere Menschen neu ihre priesterliche Würde entdeckt im gemeinsamen Gebet zu Hause: 
Viele haben gestreamte Gottesdienste mitgefeiert oder
Zuhause an Hand von Gebetsvorlagen Hauskirche gefeiert.
Da haben Kinder Zuhause den Vorbeterdienst gemacht und sagen:
„Ostern war noch nie so schön wie heuer.“
Ja, jede/r Getaufte gehört zum „auserwählen Geschlecht“, 
zur „königlichen Priesterschaft.“ - „Priester“:  eine schöne Deutung dieses Wortes ist auch:

„Durchlässig sein für Gottes Liebe“, in diesem Sinn wollen 
wir heute am Muttertag allen Müttern „Danke“ sagen 
für ihr wahrhaft priesterliches Wirken! 

Danke, dass durch euch Gottes Liebe zu uns erahnbar, 
greifbar und sichtbar wird, weil ihr durchlässig seid für Gottes Liebe.

Muttertag:  Ein Tag, das auch einmal wieder ganz ausdrücklich 
auch zu sagen und einander durch sichtbare Zeichen zu zeigen.
Dieses große „Danke“ umfasst freilich die lebenden und auch schon die verstorbenen Mütter!
Und sollte aus welchen Gründen auch immer,
die Beziehung zur eigenen Mutter belastet sein, wäre heute ein sehr guter Tag sich zu versöhnen, 
         oder zumindest den Weg der Versöhnung zu beginnen, denn


 einen wichtigen Ehrenplatz in unseren Herzen und im Leben gehört auf jeden Fall der eigenen Mutter.

  

Moderator Mag. Herbert Reisinger




Maiandacht "Dahoam feiern"                                                                                 

 Folder zum download hier klicken...